Kino: „Evet, ich will“ & „Gitmek“

Merhaba!

Das Filmfestival Türkei-Deutschland ist wieder im Haus und ich konnte vorab zwei Filme aus dem Wettbewerbsprogramm gucken:

„Evet, ich will“ ist eine sehr sympathische Hochzeitskomödie. Verwundert? Ja stimmt, normalerweise werden Hochzeitskomödien hier ja abgewatscht. Aber in diesem Film gehts weniger um die Schleiertragerei oder das Gekreische rund um den Altar als vielmehr um das Zusammentreffen der unterschiedlichen türkischen, kurdischen und deutschen Familien. Mindestens 5 Geschichten sind hier elegant verwoben. Ein sehr netter Erstlingsfilm, der viele Klischees auf die Schippe nimmt.

WERTUNG: 2

Auch „Gitmek – my marlon and brando“ ist durchaus sehenswert.  Semi-Dokumentarisch erzählt der Film die Odyssee der Schauspielerin Ayca, die von Istanbul aus über den Iran nach Kurdistan reist um ihren Geliebten wiederzutreffen. Schöne Landschaftsaufnahmen, ruhige Montage und viele Details aus dem Leben in Istanbul und den Grenzgebieten machen den Film sehr interessant, auch wenn mich das dramatisch-tragische Ende dann etwas als übertrieben überrascht hat – kann aber sein, dass es schlicht echt ist, denn schließlich spielt Ayca Damagci hier ihre eigene, wahre Geschichte nach.

WERTUNG: 2

Kino: Was soll man da sagen – „Der Ja-Sager“

Schluss mit ernst: Nach einigen ausflügen ins Ernste und Kultige macht Jim Carrey mal wieder ordentlich Klamauk, in einem ganz auf ihn zugeschnittenen Film, der irgendwie so durchschnittlich ist, dass mir nicht viel dazu einfällt. Das coolste ist die seltsame Rolerblade-Abfahrt im Abspann.

Ausführliche Zeitungskritik folgt

WERTUNG: 3

Kino: Frost/Nixon/Ich

Mal ehrlich: In diese Polit-Filme wie „Frost/Nixon“ geht man doch nur um anzugeben, was man für ein stinkgescheiter Mensch ist. Ausser mir natürlich! Ich mein ich weis ja wer Nixon ist (Antony Hopkins) und dass Watergate von Dustin Hofmann und Robert Redford aufgedeckt wurde. Wer aber zum Teufel ist Frost/ ?

Frost/David ist ein Talkshowmoderator, dessen Quoten sich gerade auf dem absteigenden Ast befinden, als er auf die Idee kommt, den Ex-Präsidenten der USA (Nixon/Richard) zu einem Marathon-Interview zu fordern. Und plötzlich findet er sich als Galleonsfigur linker Intellektueller wieder, die das Interview dazu nutzen wollen Nixon endlich zu einem Schuldgeständnis zu bringen. Dick/Tricky hat aber Pläne/eigene.

O.k., schluss mit dem Schrägstrich/Gschmarri: Frost-Nixon ist ein durchweg gediegenes Stück Schauspielerkino, das auch amüsiert und unterhält, wenn man sich nicht besonders mit der politischen Geschichte auskennt. Besonders gefreut hat es uns, dass man einmal nicht der Versuchung erlegen ist, die Hauptrollen mit Hollywood-Stars (sagen wir mal: Tom Cruise als Frost und – natürlich – Antony Hopkins als Nixon) zu besetzen, sondern die Theaterspieler zu engagieren, die merklich mit ihren Rollen verwachsen sind und sich ein entsprechend fulminates Duell liefern.

Dass dieses schließlich in Anruf um Mitternacht gipfelt wirkt etwas konstruiert, auch das Fazit „Eine Großaufnahme sagt mehr als 1000 Worte“ hätte ich jetzt nicht aus dem vorher gesehen gezogen -aber wie gesagt, ich kenn mich ja mit sowas nicht aus ;-) . Aber als Oscar-Kandidat sind mir diese beiden Herren wesentlich lieber als der lahme Button/Benjamin. Ups. Da sind die Strichle wieder! Schnell/Schluss!

WERTUNG/2

Es gibt sie wirklich!!

Wie lange habe ich darauf gewartet?
Habe ich es noch für möglich gehalten?
Hätte ich noch zu Lebzeiten damit gerechnet?

Egal! Es ist wahr – hier ist sie – die einzig wahre -

Neue Gymmick - CD

neue Gymmick - CD

17 neue Tracks und aufgemöbelte alte Gassenhauer vom einzig wahren Gymmick Solo und mit Band. Einen ersten Reinschmecker + Interview gibts vom 16. bis 21. Februar im Funkenflug. Die Release-Party folgt am 27. Februar im Hirsch.

Hier gibt’s erst mal  die Tracklist, damit Euch das Wasser im Munde zusammenläuft, hehe – eine ausführliche Rezension folgt. (P.S.: Track 14 freut mich als alten Funkenflieger natürlich besonders…)

Gymmick mit Uns

1. Ich brauch die neue Gymmick-CD
2. Lucky Generation
3 In den Hütten
4. Wen Du schön wohnst
5. Heppo Hepp
6. Was ist aus dem Vipbereich geworden
7. Warum zieht’s mich nur so runter
8. Böse Möbelstücke
9. So neu
10. Schwul Dich an
11. Mein König
12. Why da sun

BONUS TRACKS
13. Pop Song
14. Interview mit Roman Herzog
15. Gelber Sack
16. Ich mach Dir die Frisur kaputt
17. Jenseits von Eden

und noch’n Film: „Der Fremde Sohn“

Ein neuer Film von Clint Eastwood ist ja spätestens seit dem „Iwo Jima“-Doppelschlag Pflichtprogram für meinen Bruder und mich. Selbst, wenn die komische Angela Jolie die Hauptrolle spielt, die ich immer etwas seltsam finde. Die schaut nämlich immer so blöd.

In diesem Film weint und schreit sie auch eine Menge, denn was als nettes, kleines Vorstadtdramachen beginnt (Arbeitende Mutter hat wenig Zeit für kleinen Jungen) entwickelt sich zum Psychospiel (Kind verschwindet, Polizei dreht ihr ein Fremdes an!) und schließlich zu einem wahren Alptraum mit Verschwörungen, gruseligen Irrenanstalten und perversen Serienkillern.

Dabei changiert der Film ständig die Genres: Gerade noch ist er Hitchcock, dann Frauengefängnis-Trash, kurzer Film über das Töten, Horrorfilm oder Gerichtsdrama. Puh. Souverän inszeniert ist das wie immer bei Eastwood, aber auch unerwartet heftig. Vielleicht sogar zu heftig: Für den entspannten Feierabend ist das jedenfalls nix, schon weil die komische Jolie dauernd rumheult (siehe oben). So bleibts unterm Strich bei der

WERUNG: 3

Aber auch wenn dieser Eastwood-Film für mich nicht unter seinen besten 5 ist – kein Problem: Der Typ ist nämlich unglaublich fleissig. Vor dem Film läuft schon der Trailer für seinen nächsten Streifen. Und da spielt Eastwood auch wieder selbst mit.

Wir kommen wieder!

Kino: „Im Schatten des Mondes“

«Schneller und höher fliegen als alle anderen – in Raketen, die lauter sind als alle anderen!» So einfach war die Motivation der meisten jungen Testpiloten, die sich Ende der 60er Jahre freiwillig für das «Apollo»-Programm meldeten. Kurz zuvor hatte Präsident Kennedy das ehrgeizige Ziel ausgerufen, dass die Amerikaner in den nächsten zehn Jahren den Mond betreten würden – und zwar vor den Russen.

«Im Schatten des Mondes» gibt einen sehr persönlichen Einblick in dieses Weltraumrennen. Dokumentarfilmer David Sington verwendete nur Original-Bildmaterial und führte ausführliche Interviews mit vielen noch lebenden Mitgliedern des Apollo-Programms. Andere, wie Neil Armstrong, kommen in Archiv-Aufnahmen zu Wort. Wenn er vor dem Start vom «Heavenly Body», dem Himmelskörper Mond spricht, ahnt man, dass hinter der Abenteuerlust der großen, kleinen Jungs noch viel mehr steckt.

«Armstrong war der Beste, um der Erste zu sein», meint auch Alan Bean (der vierte Mann auf dem Mond). «So etwas wie ,Ein kleiner Schritt für einen Menschen…‘ konnte nur ihm einfallen. Ich hätte wahrscheinlich nur gesagt: Juhu! Ich bin da!» Ähnlich pragmatisch ging Mondmann Nummer zwei, Edwin «Buzz» Aldrin, vor: «Die Vorschrift war, dass man sich zehn Sekunden an der Landefähre festhalten sollte, bevor man losging. Was soll man da machen? Ich hab’ die Zeit genutzt, um meinen Urin-Beutel zu füllen. Dann bin ich später davon nicht abgelenkt.»

Während die Astronauten tun, was getan werden muss, und feststellen, dass sie unten nie geübt haben, eine Fahne in der Schwerelosigkeit aufzustellen, wandert auf der Erde eine vorher aufgezeichnete Notfall-Botschaft zurück in die Schublade, in der Präsident Nixon tief bewegt seine Trauer über den heldenhaften Tod der Astronauten ausspricht. «Typischer Kram wie ihn Werbeleute schreiben», meint Apollo 11-Pilot Michael Collins heute.

Längst sind aus den draufgängerischen Jungs gereifte Senioren geworden, die alle dasselbe von ihrer Mondfahrt mitgebracht haben: Ehrfurcht. «Wenn du einmal mit deinem Daumen die Erde zugehalten hast, dann merkst du unweigerlich, wie zerbrechlich und kostbar dieser Planet ist.» Oder wie Collins es ausdrückt: «Seit ich dort oben war, schimpfe ich nie mehr über das schlechte Wetter, sondern bin froh, dass wir überhaupt eines haben!» Eine sehenswerte Dokumentation nicht nur für Weltraum-Fans mit vielen faszinierenden Original-Aufnahmen aus dem All.

WERTUNG: 2

Kino: Was lange währt – „Der seltsame Fall des Benjamin Button“

Die Hoffnung, dass von David Fincher noch mal ein Meisterwerk in der Güteklasse von „Sieben“ oder „Fight Club“ kommt hatte ich nach den durchwachsenen letzten zwei Filmen (Zodiac & Panic Room) erst mal ins Regal gestellt. Aber das „Benjamin Button“ gute Unterhaltung bieten würde, dass hab ich doch gehofft. Immerhin ist die Besetzung cool und die Story interessant: Ein Typ kommt als Greis auf die Welt und stirbt als Kind. Ausserdem mag ichs, wenn Filme über mehrere Jahrzehnte gehen und man so sieht wie Klamotten, Sets und Leute sich im Lauf der Zeit verändern.

Aber dass es sich so ziehen würde hätte ich nicht gedacht: „Benjamin Button“ erzählt die 80 Jahre seines Lebens in gefühlter Echtzeit.  Statt einer durchgehenden Story gibt es einzelne Episoden, die mal mehr, mal weniger interessant sind. Am wenigsten interessant ist die überflüssige Rahmenhandlung mit Enkelin und Omma in der Klinik, welche den Film immer wieder unterbricht und den Zuschauer aus der Stimmung rausholt. Schrecklich ist auch eine Möchtegern-Amelie-Episode in Paris bei der noch mehr geplappert wird als sonst. Der Film nervt nämlich mit einem penetranten Dauererzähler im Off.

Aber es gibt auch coole Momente: Der Anfang mit dem „alten Bub“ im Altersheim, das Ende wo er wieder klein wird oder der Kurzauftritt von Tilda Swinton. Und weil der Drehbuchautor der Forrest Gump ist gibt es auch einen Shrimp-Kutter – oder sowas – der natürlich auch mit nix was sonst vorkommt irgendwas zu tun hat. Die Chance (ähnlich wie in Gump) das 20. Jahrhundert nachzuerzählen verschenkt „Buttons“, weil er sich stets an Nebenschauplätzen rumtreibt und auch der Charakter Benjamins ist nicht besonders interessant: Es spült ihn halt so von hier nach da. dass er dabei jünger wird spielt dabei meist keine Rolle.

Insgesamt ein recht unausgegorenes Sammelsurium rund um das Thema Sterben (nicht Leben wie man erwarten dürfte), das man bis auf die Makue-Up-Künste schnell wieder vergessen haben wird.

WERTUNG: 4