In Memorian: Eartha Kitt

Na sowas: Einmal wenn ich U-Bahn fahr!

Ich steh an dieser Haltestelle und guck mir das Ablenkeboard an. Sonst zeigt es immer Sachen von Mordillo. Heute sagt es: Eartha Kitt ist tot. 81 Jahre, Krebs.

Orson Welles meinte sie sei die aufregenste Frau der Welt. Sie spielte für ihn Gretchen und Helena, war aber auch Cat-Woman und bei Mission Impossible und Erik the Viking dabei. Sie sprach ein halbes dutzend Sprachen und überlebte sogar die Disko-Dekade mit Anstand. Tommy sagt sie sieht aus wie ein Frosch.

Für mich ist sie schlicht die weibliche Jazz-Stimme. Seit ich  „Live in person at the Plaza“ gehört hatte war ich verloren für Ella oder Billie. Diese Stimme – zusammen mit den abgefahrenen Texten, die sich meist um Millionäre drehten und wie man sie ausnimmt – das Zusammenwirken mit dem Orchester – oder vielleicht besser, die Art wie sie sich katzenhaft auf dem Klangkörper räkelt – und dieses ständige Lachen über die eigene Verruchtheit.

Jetzt brauch ich wohl nicht mehr ab und zu auf ihrer Website vorbeizusurfen um zu sehen, ob sie noch mal irgendwo nach Deutschland kommt, aber ich kann noch mal die „Thinkin’ Jazz“ auflegen und hören ob die Stimme jetzt anders klingt, wo sie von noch weiter weg kommt…

DVD: „Leaving Home“ – Unterwegs mit Sir Simon (Teil 1)

Reisevorbereitungen

„Leaving Home“ (Die Heimat verlassen) heisst eine siebenteilige Serie von 1997 in welcher der Dirigent Sir Simon Rattle die sinfonische Musik des 20. Jahrhunderts vorstellt.

Da ich über moderne Klassik fast gar nichts weis – ausser natürlich das gängige Vorurteil, dass sie meist grauselig schrägt klingt – aber total auf solche „Guided Tours“ durch unbekannte Wissensgebiete stehe, schenke ich mir die Box selber zum Jahresende.

Doch zuvor guck ich natürlich im Internet, wer dieser Simon Rattle eigentlich ist: Ein  verknöcherter alter Taktstockheber, ein mediengeiler Pultjungspund? Gibt es da wieder blöde Marionetten wie bei den Mozart-Erklär-DVDs von Ustinov, die bei mir nur als Einschlaf-Hilfe taugten?

Die erste Rundschau ergibt: Sir Simon scheint (trotz Schlagersänger-Frisur und irgendwie esoterischem Grinsen) ein ziemlich cooler Hund zu sein – einer der sogar die alterwührdigen Berliner Philharmoniker swingen lässt (das wäre unter Herbert von Karamalz nienienie vorgekommen) und der auch spannend und anschaulich erzählen kann.

Ja! Mit diesem Typ kann man auf eine Reise gehen, die im besten Fall ähnlich interessant und persönlich wird, wie die mit Martin Scorcese durch den amerikanischen Film.

Also – los geht’s!

Wien 1900 – Das Ende der alten Ordnung

Die erste Folge erzählt von der Entstehung der „neuen“ Musik durch die Komponisten der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts (mit einem Rückblick auf Wagner). Laut Rattle konnte das nur in Wien geschehen – einer Stadt die gleichzeitig konservativ und modern ist – so nahe beieinander, das man nicht merkt, was was ist.

Tatsächlich wollen diese frühen „Neutöner“ auch gar nicht die alte Musik mit ihren schönen Harmonien kaputtmachen – sie scheinen eher zu müssen! Denn um sie herum zerfällt die alte Ordnung: Der Kaiser wird erschossen, die alten Standes-Strukturen fallen, ein böser Freud stöbert im Bewusstsein rum: Selbst die freundliche, heilende Natur der Romantik wird ihnen gefährlich. An allen Fronten scheint das alte, vertrauenswürdige keinen Halt mehr zu geben.

Die Komponisten betreten ein Neuland ohne Regeln in dem sie sich zu verlieren drohen und wo Alpträume und Grauen an jeder Ecke lauern. Oder wie Rattle sagt: „Die Logik der totalen Freiheit führt geradewegs ins Irrenhaus“. Deshalb steht neben dem Hinterfragen und Beklagen der alten Ordnung auch schnell die Suche nach einer neuen.

Gefunden wird sie in der 12-Ton Musik, bei der jeder Ton einmal gespielt sein muss, bevor er wieder benutzt werden darf – eine Art selbst auferlegte Vorschrift um sich im neuen zurecht zu finden, die aber genug Freiraum lässt.

Insgesammt eine sehr düstere Folge, bei der ich besonders die Musik von Mahler und das abschließende „Dem Andenken eines Engels“ von Alban Berg interessant finde, das gleichzeitig den Tod eines kleinen Mädchens und den der alten Kultur betrauert.

Rhythm: Chaos or complexity?

Die zweite Folge der Serie ist viel fröhlicher: Sie löst sich los aus der chronologischen Erzählung und behandelt einen Einzelaspekt der Musik des 20. Jahrhunderts, quer durch die Kontinente und Epochen – den Rhythmus.

Vom Blues Art Tatums über ulkige Piano-Maschinen bis hin zu den 2001-Klängen von Ligeti führt hier die Reise und zeigt, wie ein lange Zeit dienendes Element (der Rhythmus) zum Cheffe in der Musik wird und die neue Ordnung bringt – doch diesmal eine die von Tanz, Kraft und Vitalität erzählt.

Besonders cool finde ich hier wieder das abschließende Stück „Turangalila-Sinfonie“ von Oliver Messiaen, das herrlich wild zwischen Chaos und majestätischen Momenten hinundhersaust. Langweilig wie Mozart finde ich dagegen das Gruppen-Klangschalen-Geklippe von Pierre Boulez. Aber es muss einem ja nicht alles gefallen.

Das gilt auch für den visuellen Stil dieser Serie. Während die Archiv- und Orchester-Aufnahmen sehr schön sind, gibt es leider immer wieder Momente wo völlig unnütz visueller Lärm erzeugt wird: Wirbelnde Wasser, durch den Wald hupfende Tanzgören oder rasend schnell geschnittene Zeichnungen lenken vom Hören ab. Bald gewöhne ich mir an, nur noch dann hinzuschauen, wenn Simon redet und bei den Liedern nur zuzuhören.

Ansonsten eine schöne Sache, die Lust macht auf die anderen 5 Teile.

Fortsetzung folgt!



DVD: Die gruselige Butterfliege – „Butterfly Effect“

Hach – eigentlich ein schöner Film, nur leider kann man sehr wenig von der Handlung erzählen ohne massiv zu spoilern (was die Designer der Verpackung mal wieder gar nicht interessiert hat, die ollen Plappermäuler).

Doch glücklicherweise hat mich mein Bruder gewarnt, so dass ich ohne verräterischen Blick auf die Packungsrückseite ins Abenteuer starte: Es geht – soviel kann man sagen – um einen kleinen Jungen, der merkwürdige Blackouts hat. Immer wieder fehlen ihm ganze Stücke seiner Erinnerung – Stücke in denen meist etwas schreckliches zu passieren scheint. Ein Selbstschutzmechanismus der Seele – oder eine geheimnisvolle Macht von aussen?

Die erste Stunde ist sehr stark und auch gruselig weil – und ab hier kommen jetzt auch in diesem Text ein paar SPOILER – es für einen Hollywood-Film ungewöhnlich heftig zugeht: Babys werden gesprengt, Kinder missbraucht, ein Tier getötet. Zwar wird das alles nicht gezeigt, aber das macht es natürlich psychologisch nicht weniger schaurig. Ab der Hälfte driftet das ganze dann in eine etwas merkwürdige Science-Fiction-Story, die uns in ganz andere – und leider arg klischeehafte Filmwelten entführt: Highschool-Dramödie, Knast-Film, Drama – dabei werden zwar ein paar wirklich interessante moralische Fragen gestellt, was man tun würde, wenn man sein Leben rückwirkend ändern könnte, oder über das Verhältnis des eigenen Wohls zu dem der Mitmenschen. Die ernsthafte Konzentriertheit des Anfangs geht aber etwas im Formenspiel unter. Richtig gruselig – im moralischen Sinne – fand ich dann das „Directors Cut“-Ende, bei dem die Botschaft von „Du sollst nicht Gott spielen“ zu „God is dead“ wechselt. Die Filmemacher sehen dies als ihr schönstes Ende. Ich wage zu widersprechen.  SPOILER END

Was bleibt ist ein sehr solide gemachter, abwechslungsreicher, oft unerwartet heftiger Film, der zwar nicht den moralisch einfachsten Ausweg nimmt , dafür aber oft a bissl dick aufträgt und sich mit der Zeit immer mehr in Genre-Klischeebildern verliert.

WERTUNG: 2

Kino: Aus dem Leben eines Boxers – „Comeback“

Die Story kennt man aus unzähligen Hollywood-Filmen: Abgehalfterter Boxer setzt alles auf eine Karte und trainiert für den großen Kampf… Doch das coole an „Comeback“ ist, dass wir hier nicht die Imaginationen tapferer Drehbuchautoren sehen, sondern das echte Leben von Jürgen „The Rock“ Hartenstein, ein ehemaliger Deutscher Meister im Irgendwas-Gewicht, der nach 2 Jahren Pause das titelgebende Comeback sucht – durch einen prestigeträchtigen Kampf in den USA.

Doku-Filmer Maxilmilian Plettau begleitete Hartenstein ein Jahr lang auf Schritt und Tritt durch ein völlig unglamuröses Boxerleben: Training auf dem Speicher, Essen bei Omi, Haue ins Gesicht. „It’s a strange job“ meint der Trainer und umso schöner ist der sachliche Blick des Films auf dieses Metier. Plettau wertet nicht, inszeniert wenig, aber sieht überall genau hin.

Sehr dankenswert sind auch die englischen Untertitel – der Pfälzer Dialekt der Protagonisten ist für fränkische Ohren nämlich grenzwertig unverständlich.

WERTUNG: 1

Eleos & PhoboZ: Hinter den Kulissen von „SCANES!S“

„Du musst es dreimal läuten lassen! Wenn Du vorher rangehst kappt das Telefon die Verbindung!“, spricht Stef und verschwindet hinterm Mischpult. Willkommen in der wundersamen Welt von Radio Z, wo im Studio Bier getrunken werden darf, kein einziger Kopfhörer wirklich funktioniert und es nebenan in der Redaktion knarrzt als würden zwei Leute heftig… egal.

Es ist Cassandra’s Run und wir sind alle in Hochstimmung. „Scanesis“ läuft heute abend und wie immer waren die guten Vorsätze („Diesmal werden wir eine Woche vorher mit Mischen fertig!“) Pipifax und die Spiel-CDs kommen noch ofenfrisch aus der Presse. Selbst von uns fünf wissen nur drei ungefähr, wie das Hörspiel diesmal klingt.

Nämlich: Saugut. Auf jedem erdenklichen Weg gibt es Highlights, vor allem Donn ist wiedermal ein Spaßgarant vom Feinsten. Wie auch immer sich die BrainZ entscheiden – es wird rocken!

Inzwischen ist 21.00 Uhr durch und der erste Track läuft. Gerade segnet Marla das zeitliche, als eine völlig aufgebrachte Cassandra ins Studio stürmt: „Mehr Zugriffe auf die Live-Streams als jemals in der Z-Geschichte!“ Super! „Nein! Zu viele! Alle Streams sind down!“ Shit. Und das ist erst der Anfang: Minuten später geben auch unsere beiden Pages cassandrasrun und norcontra den digitalen Löffel ab.  Was tun? Nix. Show must go on. Zumindest für die Hörer die uns empfangen. Und das sind eine ganze Menge!

Bei der ersten Entscheidung läuft das Telefon heiß – und auch die Mails fliessen reichlich. Der hochgelobte Mr. G hat schnell etwas gebastelt, was ich nicht verstehe, was aber hilft, dass doch noch n paar über Internet mithören können.

Und dann die nächste Hürde: Für die Möglichkeiten Pegnitzgrund und Marienbergpark steht es auf die Stimme genau 50:50. Was nun? Solln wir im Team abstimmen? Quatsch – dann könnten wir ja gleich einen Weg vorproduzieren. Zum Glück steht noch eine echte Hörerin im Studio und wendet das Blatt hin zu den Stadtnomaden.

Von da ab fallen die Entscheidungen eindeutiger aus: Verhandeln, Code geknackt, Sprengen. Nach 2 Stunden knallt dann der Sektkorken: Cass und Co. sind im Trockenen, trotz der Technikpannen war es ein guter Run, auch wenn ich persönlich das Requiem von Wolfgang und Sonja schon sehr vermisse und die Szene mit…. *hüstel*. Aber so ist es halt: Wenn jeder Weg es Wert ist gehört zu werden, dann ist es auch um jeden Schade, der nicht dran kommt.

Jetzt wird erst mal gefreut, mit dem Provider telefoniert, der unsere Pages auf dickere Server umgezogen hat und im Stillen allen gedankt, die das Abenteuer CassRun nun schon seit 8 Jahren miterleben und gestalten! Auf Wiederhören in der Zukunft!

P.S.: Es ist egal wie oft das Telefon klingelt. Nur das Licht darf nicht an sein, wenn man rangeht. So ist das beim einzig wahren Radio Z!