Dinge, die sich nie ändern…

Morgen ist ja wieder Landtagswahl  – und es gibt ja tatsächlich einige Leute, die behaupten, die CSU könnte diesmal verlieren!

Wobei „verlieren“ in dem Zusammenhang ja nur bedeutet „nicht mehr als 50% aller Stimmen bekommen“. Also nicht so richtiges Verlieren.
So richtig verlieren tut in Bayern nur die SPD.

Aber hey: ich glaub nicht mal das. Ein Bayern ohne CSU-Allmacht? Das wäre ja wie Katholen ohne Papst, Computer ohne Microsoft oder Funkenflug ohne Danilo!

Selbst wenn irgendwann mal – also nicht morgen, aber vielleicht in 1000 Jahren, wenn die Grünen stark genug sind um mit den Freien zusammen die Mehrheit in Bayern zu stellen – jemand anders regieren würde, würde man die Partei vermutlich aus Gewohnheit auch CSU nennen.

So wie man den Euro in D-Mark-Preise rückrechnet.

Oder wie Gerhard Polt sagt:

„Des koa doch ned so waida geh!
Do muss sich do amoi wos ändan!
Und deshoib – - wähl I a diesmoi wiada die CSU!“

So isses. Da kann Beckstein noch so komische Sachen sagen – ich hätts ihm ja wirklich gegönnt, dass er ein besserer Ministerpräsident wird, immerhin kommt er ja aus Franken – aber das mit den 2 Maß war schon ein herber Schlag ins Gesicht aller, die jemals wen durch einen besoffenen Autofahrer verloren haben.
Nicht clever. (Und das sparige Zurückrudern mit dem ’schlecht eingschenkt’ auch nicht.). So was kann sich ein Dorfpolitiker leisten, der weiss, dass es in seinem Ort mehr Bierdimpfl als Autos gibt – aber ein ‘Landesvater“?

Naja. Man darf gespannt sein. Und drei Kreuze machen. Oder vier. Weil Bezirkstagswahl ist ja auch.

Übrigens: Mir ist gestern überrascht aufgefallen, dass ich schon lange keine Preise mehr in DM zurückrechne. Wär ja auch blöd.

Wir haben ja den Euro.

DVD: Der beste Film der Welt? „Die Verurteilten“

Von „The Shawshank Redemption“ (Die Verurteilten) hatte ich euch ja schon mal in einer anderen Geschichte erzählt. Nun hat – dank Schnäppchenpreis – die DVD dieses vielgerühmten Films – der sich seit Jahren auf den ersten drei Plätzen der IMDB-Hitliste tummelt und überall lauthals gelobt wird – ihren Weg in die Sammlung gefunden.

Während ich das hier schreibe steht er sogar auf Platz 1 – vor dem Paten (der zurecht oben mit dabei ist) und dem Dark Knight (der erst noch zeigen muss ob seine Blockbuster-Power ein Jahrzehnt überdauert). Ergo sind „Die Verurteilten“ momentan – bei aller Ungenauigkeit, Willkür und Kleinster-Nenner-Mainstream-Mentalität solcher Listen -  also der „Beste Film der Welt“!

Dann mal her damit!

Es beginnt ganz nett: Ein Bänker (Tim Robbins) wird verurteilt weil er seine Frau und ihren Lover ermordet haben soll. Ob ers getan hat erfahren wir erst viel später (oder durch einen Blick aufs Cover, welches die Handlung bis zur vorletzten Minute erzählt…). Jedenfalls kommt er ins „Shawshank-Gefängnis“ – eine wahre Burg, die mit einem spektakulären Kameraflug als Charakter der Handlung eingeführt wird. Dort trifft er Red (Morgan Freeman), der gleichzeitig Off-Erzähler ist und sich langsam mit ihm anfreundet. Zeit haben sie, denn es vergehen 20 Jahre – beziehungsweise über zwei Filmstunden.

Und die ziehen sich!

Dummerweise sind nämlich sämtliche Charaktere direkt aus dem Gefängnisfilm-Klischeebuch abgepaust: Die Wächter sind alle fiese Sadisten, die Gefangenen (ausser den obligatorischen brutalen Vergewaltigern) herzensgute Nettlinge. Dementsprechend erwartungsgemäß verlaufen die Konfrontationen in diesem „Kuckucksnest“.

Als Zuschauer warte ich die erste Stunde noch relativ gespannt darauf, wann der Film aus seinem konventionellen Schema ausbrechen wird, wann die Charaktere Tiefe gewinnen werden oder irgendwas passiert, das den guten Ruf dieses Films rechtfertigt.

Es passiert nicht.

Stattdessen zieht sich die üblich amerikanische Mischung von als Kritik getarnter Freude an der Brutalität (zahlreiche Verprügelungen) und optimistisch-wortreichen Lobens des Lebens („Man muss nur durch genug Scheiße waten um am Ende Happy zu sein“) ohne Überraschungen bis zum — SPOILER ALERT — erbarmungslos kitschigen Doofschluss an einem sonnigen Strand. Aua. – - SPOILER END –

WTF?

Klar, der Film ist schön fotographiert und gut gespielt, mit einigen netten Momenten (Mozart, Bier auf dem Dach, alter Bibliothekar). Solide gemachte amerikanische Mittelklassen-Unterhaltung, aber nix was irgendwo in der Liga vom Paten oder höher spielt.

Fazit: Schwer unbeeindruckt.

WERTUNG: 4

Naja, hab ich mal wieder ein Geschenk für jemanden, der sowas mag.

Soll ja viele geben.

Kino: „Friedliche Zeiten“

Und schon wieder die Geschichte von der dominanten Mutter:

Nach der Eisbombe hauen nun „Friedliche Zeiten“ in die gleiche Kerbe – aber nicht so dolle. Die Mischung aus Larmoyanz & Altklugheit im S8-Look wird nur durch die guten Darsteller gerettet.

WERTUNG: 4

Zur Zeitungskritik

Kino: [Safe] again? „Die Eisbombe“

Witzig: Eigentlich soll ich „Babylon A.D.“ besprechen (was mir natürlich auch Freude bereitet hätte), werde dann aber kurzfristig in den mir völlig unbekannten Film „Die Eisbombe“ geschickt.

Eisgebombt: Tom Ökoripper & Co.

Dabei geht es nicht um ein kalorienstarkes  Tiefkühlprodukt, sondern um einen seltsamen, gefrorenen Meteor, der eines Tages unvermittelt in das Haus einer spießigen Familie im nordeutschen Ort ‘Bornsbüttel’ einschlägt.

Dabei hat die Family auch ohne „Angriffe aus dem Ozonloch“ genug Sorgen: Mutter Beate hat einen totalen Öko- und Gesundheitstick und führt ein strenges Regiment, das Sohn Tom (Eike Weinreich) bereits Allergien und eine Regenphobie bescheert hat. Und gerade als er durch eine neue Zivi-Stelle eine Chance auf Auszug bekommt schlägt eben die Eisbombe ein – und Mutter ordnet den Rückzug an: In einen Bunker in den Garten, den sie dort noch zu Zeiten von Chernobyl eingerichtet hat.

Der Debütfilm von Oliver Jahn pendelt zwischen liebevollem Generationenportrait und böser Satire und überrascht immer wieder mit netten Einfällen. Brilliant auch die Kameraarbeit: Obwohl eine für’s „Kleine Fernsehspiel“ gedrehte Filmhochschul-Abschlussarbeit ist die „Eisbombe“ großes Kino mit schönen Breitwandbildern und schmackiger Musik!

Nur die Charaktere hätten für meinen Geschmack etwas weniger holzschnittartig sein können – trotzdem ein schöner Film, bei dem ich drauf wetten könnte, dass der Regisseur irgendwann mal den brillianten [SAFE] gesehen hat und nun eine Comedy-Variante dazu abliefert.

WERTUNG: 2

Afrika! Afrika! !!

Die Werbeplakate stehen nun schon seit geraumer Zeit praktisch an jeder Ecke der Stadt doppelt und dreifach – nun ist „Afrika! Afrika!“ angekommen. Im Vorfeld habe ich die Doku „Back 2 Africa“ über ein paar der Künstler besprochen und nun darf ich die Show sehen.

Oder sollte man sagen: Spektakel? Zwei Stunden lang bebt der Boden vom Stampfen der Tänzer, Schlangenmenschen verrenken sich, menschliche Wasserspeier spucken literweise Flüssigkeit, Akrobaten, Jongleure und Musiker bieten non-stop Höchstleistungen, so dass einem bald die Hände vom Dauerklatschen wehtun. Ein bissl mehr Luft zwischen den einzelnen Nummern, etwas mehr Zeit zum geniessen, das hätten wir uns noch gewünscht.

Und vielleicht noch ein paar Infos über den titelgebenden Kontinent selbst. Denn über Afrika erfährt man in der Show gar nichts, ausser dass tolle Artisten von dort kommen (aber dafür gibt’s ja den Film und das ausführliche Begleit-Buch). Trotzdem eine tolle Idee, bei der man das Gefühl hat, dass alle Künstler mit Spaß und Engagement – und gewaltigem Können! – dabei sind. Nur bei den Schlangenfrauen, die sich höchst ungesund verbiegen, hat man das ungute Gefühl, dass hier jemand vorgeführt wird.

Sehr schön auch die Aufmachung drumrum: In riesigen, mit Teppichen ausgelegten Zelten erwarten einen ein Restaurant, ein Kramladen oder ein afrikanisches Café mit dutzenden von edlen Spiegeln! Wahnsinn, was die alles rumkarren!!

Dementsprechend gigantisch ist dann auch der Preis der Karten.  Aber die Show dürfte es Wert sein, sie zu stehlen, zu gewinnen oder sich unter sonst einem Vorwand auf leisen Katzenpfoten umsonst reinzuschleichen.

So wie wir.