Finale – oh oh …

…mein Bruder und ich stehen mittendrinn am Plärrer…

Feier am Plärrer

…und diskutieren über die Darstellung des Masochismus in „Lawrence of Arabia“, die Definition des Guten bei Plato, ob Klavierspielen ein Shadowrun-Talent sein sollte und ob der Hl. Augustinus heute noch einen Job bei der katholischen Kirche kriegen würde.

Ja, ich denke wir sind Nerds.

Und das ist auch gut so.

Kymco One: Die ersten sieben Tage

Benzinpreise von über 1,50€/l, das ist selbst für passionierte Autofahrer wie mich jenseits der Toleranz-Grenze . Eine Zeitlang überlegte ich sogar dem Viehtransport Anonymer Großstädter (VAG) eine Chance zu geben, weil die neue führerlose U-Bahn schon geil ist: Sauber und leer! Zumindest bei den Presse-Testfahrten.

Aber warten bis andere Bock haben zu fahren? Und in der Nacht schon gar nicht mehr? Und bei ständig wechselnden Terminen ständig Fahrpläne studieren? Nee…

Zum Glück gab’s dann doch noch eine bessere Idee:

Ein Roller! Klingt zwar nach „Cinderella 80“ ist aber auch ein cooles Fortbewegungsmittel. Und bei den Recherchen stellte sich auch schnell heraus, dass die Retro-Modelle (inklusive Dauerwellen-Dame auf dem Sozius) alle recht teuer und klobig sind – dass es aber viele coole neuere Designs gibt, die eher in Richtung Motorrad gehen.

Um ein passendes Modell zu finden galt es erst mal Fachwörter wie „Chinakracher“ oder „Murmelschoner“ zu verstehen. Entschieden hab ich mich dann für den „Kymco Agility One„, weil die Firma in den einschlägigigen Foren einen guten Ruf als Low-Budget-Markenroller-Produzent hat.

Logo \

Nun liegen die erste Woche und die ersten 160 Kilometer hinter uns beiden und ich muss sagen – ich bin begeistert! Statt im Panzer eines Benz auf der Straße zu hocken kommt hier echtes Fahrfeeling auf – inklusive Mücken beim Überqueren der Pegnitz, Benzingeruch und „erfrischenden“ Regenschauern.

Am Anfang war es etwas gewöhnungsbedürftig das Ding nicht wie ein Fahrrad zu fahren (Nein! Du brauchst nicht mit den Beinen anschieben!!) und mit ordentlichem Tempo um die Kurven zu kommen. Dabei hilft es, dass man viel „craniosacral“ steuern kann, also gar ned mit den Händen am Lenker, sondern durch leichte Gewichtsverlagerung und das Bewegen der Beine.

Sehr interessant auch die Reaktionen der Leute. Frauen sagen etwas über die Farbe, böse Nachbarn etwas über die „Abgase vom Drecksmotorrad unter dem Fenster“ (sic!) und Männer fragen: „Wie schnell?“ Also, hm, sagen wir mal so: Es sind nicht die Roller, die den Verkehr aufhalten. Und wenn der Benzinpreis noch steigt, werden die Straßen hoffentlich noch freier für die Zweiräder!

Apropos Benzin – zum ersten mal seit langer Zeit konnte ich eine komplette Tankfüllung mit dem Wechselgeld vom Bäcker bezahlen!! 2 Liter auf 100km!

Öl-Scheiks – SUCK ON THIS:

Ein Roller-Auspuff

Kino: Alle gegen alle – „Bank Job“

Muss ich sehen, wie Deutschland sich gegen eine große Fußballnation wie Österreich abquält? Nein, da geh ich lieber in „Bank Job“ mit meinem Lieblings-B-Movie-Helden Jason Statham.

Er spielt einen kleinen Ganoven und Autohändler, der den berühmten „letzten Job“ durchziehen will – ein Bankeinbruch, zu dem ihn eine alte Freundin einlädt. Doch was sein Team von Amateuren nicht weiss: Bei dem Auftrag geht es um viel mehr als nur um Kohle. Im Tresor lagern Geheimnisse von Polizei, Adel, den Black Panthers (der Film spielt 1971) – und der Königlichen Familie selbst. Bald sind sehr viele Parteien in dem Spiel um den Schatz und die einzige Regel lautet: Alle gegen alle!

Ein klassischer Caper-Film mit spannedem Einbruch und blutigem Nachspiel, furios inszeniert von Roger Donaldson, der zwar den rauhen Geist der 70er atmet, aber stilistisch mal nicht nach hinten schielt und mit formalen Retro-Mätzchen koketiert, sondern straight seine Krimi-Geschichte bis zum bitteren Ende durchzieht.

Für jeden Krimi/Einbruchsfilm-Fan eine klare Empfehlung.

WERTUNG: 1

Zur Zeitungskritik

DVD: „Aus der Tiefe des Raumes…“

Ach herrjeh – mit der EM läufts ja mal wieder nicht so erfolgreich wie im Vorfeld vollmundig beschworen. Ganze drei Hupen hab ich am Ende des Spiels gehört. Gibt wohl nicht so viele Kroaten in Nürnberg.

Gut, dass M. und ich schon vorgestern den Film zum breiten Sport geguckt haben:

„Aus der Tiefe des Raumes… mitten ins Netz!“

Auf diesen Low-Budget-Film von Theaterregisseur Gil Mehmert bin ich vor einiger Zeit zufällig auf einem Termin im Sommernachtskino gestossen. Und kann nur sagen: Er ist ein kleines Juwel, nicht nur für Fußballfans.

Zuerst geht’s auch gar nicht um Fußball, sondern um Tipp-Kick. Das ist das mit den kleinen Männchen, die wo nach einem Knopfdruck auf den Kopf das Bein ausstrecken. Der Film spielt in den 60ern und Hans-Günther steht – zusammen mit seinem selbstgebastelten Tipp-Kick-Männchen „Nr. 10″ kurz davor, die „Westdeutsche Meisterschaft“ zu gewinnen. Dabei lernt er Reporterin Marion (Mira Bartuschek) kennen und die bittet ihn, doch noch zu ihr hoch zu kommen.

Doch ausgerechnet in ihrer ersten Liebesnacht passiert ein Missgeschick mit Nr. 10………………………….

Mehr darf leider nicht verraten werden, aber das ist alles nur das Prelude zu einer Komödie, bei der es ungelogen in fast jeder Szene was zu lachen gibt – und seien es nur die Tapeten! Die 60er Jahre sind nämlich liebevoll – und für so eine kleine Produktion auch mit großem Aufwand – rekonstruiert worden, inklusive schrecklich-schöner Schlager und Popsongs der Ära.

Ein Film der einfach von vorne bis hinten putzig ist und dem man anmerkt, wieviel Liebe, Begeisterung und Talent die Macher reingesteckt haben.

Und das coolste: Dank der EM kostet die DVD nicht mehr 17,99, sondern in der Edition des Magazins „11 Freunde“ nur 9,99€. Dafür verrät sie aber schon auf der Hülle die Pointe. (Vielleicht wird sie auch noch mal billiger, falls Deutschland früh ausscheidet, aber so knausrig will nicht mal ich sein.) „Aus der Tiefe des Raumes“ jedenfalls ist seinen 10er mehr als wert.

Deshalb die meisterhafte

WERTUNG: A

Kino: Schweinkram – „Penelope“

Ach wie süß!

Christina Ricci ist Penelope, ein Mädchen das aufgrund eines uralten Familienfluchs mit der Nase und den Ohren eines Schweines geboren wurde. Leichtfüßig inszinierte Romantikkomödie für die ganze Familie, in der Ricci noch besser aussieht als in „Black Snake Moan“. Hintenraus zerfranst die Story etwas, doch viele nette Gags sorgen für durchgehend gute Unterhaltung.

Notiz fürs Christkind: Ich will auch eine Frau mit Schweinsnase!
Das sieht so lecker aus! *hm*

Seriöse Zeitungskritik hier.

WERTUNG: 2

Kino: Funny Games? „Funny Games U.S.“

Vorher

Über „Funny Games“ hatte ich im Vorfeld viel gelesen: Ein Österreicher dreht in USA ein 1:1 Remake seines gleichnamigen FIlms von 1997 (von dem ich damals nur das gruselige Poster vom Typ mit der Tüte auf dem Kopf gesehen habe). Der Film soll fast unerträglich grausam sein, handelt er doch davon, wie zwei Jungs in weiß eine Familie foltern und töten. Will ich das sehen? Nein, will ich nicht.

Aber andererseits gilt der Film – also das baugleiche Original – als brilliantes Meisterwerk, welches den formelhaften amerikanischen Thriller regelrecht zerlegt und selbst Kritiker Guru Georg Seeßlen (der weit mehr Filme gesehen hat und tiefer über sie nachgedacht hat als ich) bewertete das Remake kürzlich mit 5/5 Sternen – witzigerweise in Schwarz statt im üblichen Rot, ein weiteres Warnzeichen?!

Aber hey – kann irgendwas grausamer sein als amerikanische Hochzeitskomödien? Eben! Also los!

Let the music play, you won’t get away….

Sehr brillianter Anfang: Betont lang nur rote Titel auf Schwarz, dann Aufblende. Zu braver Opernmusik fährt ein Auto shiningmäßig durch die Gegend. Wir lernen die Familie darin nur über Stimmen, dann über Großaufnahmen kennen. Sie spielen Spiele. Erst spät sehen wir sie in der Totalen – und die Oper wird weggeknallt von einem wahnsinnigen Stück von John Zorn. Die roten Titel umrahmen die Familienmitglieder wie Gefägnisse. Sie kommen an, sehen die Nachbarn von weit, weit weg. Irgendjemand ist bei ihnen ein Junge. Sie erreichen ihr Ferienhaus, das riesige Automatiktor schließt sich hinter ihnen.

The more we are protected…

Zuerst fällt auf, das „Funny Games“ abseits seines gruseligen Rufes sehr sanft inszeniert ist. Zwar liegt von Anfang an eine nervöse Spannung über dem Geschehen, doch werden wir in den folgenden zwei Stunden (bis auf eine markante Ausnahme) weder Bluttaten sehen noch genretypisch durch laute Geräusche erschreckt werden. Wie grausig man den Film empfindet hängt dabei vor allem davon ab, wie sehr man sich mit der (imho recht unsympathisch gezeichneten) Familie identifiziert oder ob man sich schon recht früh auf die Seite der wesentlich gewitzteren Jungs schlägt, die Terror und Comic Relief in einem sind.

History Repeating

Inhaltlich zeigt „Funny Games“ nicht viel anderes, als was man in anderen blutigen Thrillern schon wiederholt gesehen hat. Und genau das ist der Punkt: Standart-Situationen vorführen, aber dann die Genre-Regeln („Das Kind muss überleben“) brechen. Insofern funktioniert Hanekes Film als bitterschwarze Parodie, als eine Art „Scream“ für Erwachsene.

Allerdings ist seine Medien- (oder besser „Zuschauer-Kritik“) schon arg in the face. Wenn die Schurken in die Kamera schauen und direkt das Publikum anreden erinnert mich das an Austin Powers („Das gilt für sie da draussen auch!“) was nun gar nicht gruselig ist.

Aber was kritisiert diese Kritik eigentlich?

Ecstasy from viewing murder on TV

Warum schaut ihr diese Scheiße? Immer wieder? Das scheint die Frage zu sein, die „Funny Games“ an seine Zuschauer richtet. Schaut ihr es, weil es da ist? Oder ist es da, weil ihr es sehen wollt? Gibt es tatsächlich ein „aufgeilen an der Gewalt“ – das hier ja konsequent unterlaufen wird, da wir ‘Sex & Crime’ nicht sehen? Gibt es gute und schlechte Gewalt im Film? Und wenn ja, welche ist gut? Comic-Violence? Heroische Gewalt? Realistisch grausame?

Oder ist das was wir hier sehen sollen und wollen gar nicht der U.S. Thriller, sondern der Sieg eines europäischen Arthouse-Films, der es geschafft hat sich nach Hollywood zu schmuggeln um dort kaputt zu machen was uns kaputt macht? Gibt es also vielleicht auch ein „aufgeilen“ an der eigenen kulturellen Überlegenheit? Ist Händel besser als John Zorn?

Antworten gibt der Film keine, aber – wie der Regisseur selbst sagt – er funktioniert als Sprungschanze für die Gedanken der Zuschauer.

Nachher

Als ‘echter’ Genrefilm wäre Funny Games stellenweise schon arg zäh, seine Medienkritik formuliert er nicht gerade subtil, aber als formales Experiment überzeugt er durch die Bank: Ein selbstdestruktiver Thriller von jemanden der eigentlich keine Thriller mag, für ein Publikum, das danach keine Thriller mehr mögen soll.

WERTUNG: 2