Kino: „Eastern Promises“

Oh Mann, es ist gar nicht so leicht an einem Feiertag einen ordentlichen Sitzplatz in unserem Kinopalast zu bekommen. Aber den neuen David Cronenberg, „Eastern Promises“ muss ich natürlich sehen.

Um 18.30 Uhr ist schon alles dicht, aber um 21 Uhr kommen wir schließlich rein. Erzählt wird von einer Londoner Hebamme (Naomi Watts), die eines Nachts das Kind einer sterbenden 14-jährigen zur Welt bringt. Da sich keine Verwandten finden, nimmt Naomi das Tagebuch der Toten mit, um es von ihrem russischen Onkel übersetzen zu lassen, um evtl. Hinweise auf eine Familie zu finden. Als der sich aber weigert, etwas zu übersetzen, wo Wörter wie „Vergewaltigung“ und „Heroin“ drin vorkommen, fährt die Hebamme zu einem russischen Restaurant, dessen Visitenkarte sie im Tagebuch fand. Dort trifft sie auf ein ungleiches Russenduo in Armani (Vigo Mortensen und Vincent Cassell) und auf einen freundlichen Patriarchen (Armin Müller Stahl), der verspricht, ihr das Buch zu übersetzen. Doch wie es sich bald herausstellt ist der Text mehr als brisant, handelt er doch von den Machenschaften der russischen Mafia – und so wie es aussieht stecken die netten Russen von nebenan mit drinn…
Wieder mal ein feiner Film, den der König von Mittelerde und der König des intelligenten Horrors da ausgekocht haben. Auch das ‘normale’ Thrillerpublikum – das nicht ins Kino kommt um den „neuen Cronenberg“ zu sehen, sondern einfach nur ordentlich gethrillt werden will – hockt zwei Stunden lang auf der Sitzkante. Und das obwohl es viel Untertitel zu lesen gibt: Fast die Hälfte des Films ist in Russisch.

Aber die düstere Stimmung von „Eastern Promises“ ist durchgehend zum schneiden – und wenn dann wirklich geschnitten wird, wirds auch richtig fies blutig: Keine lustige Comic-Violence, keine heroische ‘Action’, sondern richtig derbe, fiese Gewalt. (Zartbesaitete sollten spätestens dann die Augen zumachen, wenn zwei Typen in Lederjacken in eine Sauna kommen….) Dazu der unaufgeregte, fast dokumentarische Cronenberg-Stil, der einen mitten ins Geschehen zieht: Die Kamera schaut zu, während schreckliche Dinge und nahezu unlösbare moralische Fragen abgehandelt werden.

Im Vergleich zu früheren Werken mag die Story etwas konventionell sein – und rechtspopulistischen Politikern sollte man den Film lieber auch nicht zeigen, sonst verstehen sie miss und faseln noch mehr von kriminellen Ausländern – aber der Stil ist mal wieder über alle Zweifel erhaben. Daumen hoch für die Könige!

WERTUNG: 1

You are No. 6: „The Prisoner“

Bisher kannte ich „The Prisoner“ (Nummer 6) nur von dem Sample auf einer Iron Maiden Scheibe: „Who are you? The new number two! Who’s Number One? You are Number Six!“ Nun ist die Serie glücklich im heimischen DVD-Player gelandet und M. und ich gucken gleich mal die ersten drei Folgen am Stück:

Ein englischer Geheimagent – Typ James Bond – schmeisst seinen Job hin, nachdem er, anscheinend, wichtige Informationen über irgendwas herausgefunden hatte. Zuhause will er seine Koffer packen, doch finstere Schergen blasen Gas durch die Tür und er fällt in Ohnmacht. (Das alles wird rein in Bildern erzählt, in den ersten anderthalb Minuten. Ein klarer Winner beim Fünf-Minuten-Check.)

Er erwacht in einem beschaulichen Seebad, dass nur „Your Village“ genannt wird (Auch das Café heisst hier einfach nur „The Café“ und so weiter). Darüberhinaus haben alle Leute hier nur Nummern. Er ist Nummer 6. Eine Nummer 2 (die bisher in jeder Folge von jemand anderem gespielt wurde, ohne dass darauf näher eingegangen wird) will von ihm die „Information“, warum er seinen Dienst quittiert hat. Natürlich will Nr. 6 nichts preisgeben und versucht zu fliehen. Doch da gibt es einen tödlichen… äh… Wasserball?

Das ganze Design ist sehr abgefahren und skuril – definitiv etwas, was David Lynch damals auch geguckt hat: Bizarre Science Fiction Elemente werden verwoben mit britischem Dorfcharme, James-Bond-Schurkenkammern und knallbuntem Design (vieles im „Village“ ist bunt gestreift.) Das alles mit einem „eckigen“ Schnitt, der durch (vermutlich bewusste) sprunghafte Cuts dass unwohlige Gefühl in dem Dorf verstärkt.

Das Tempo ist ausserordentlich hoch- die drei Stunden vergehen wie im Flug – und bisher schaffte es jede Folge, die zwei großen Geheimnisse – Wer ist Nummer 1? Welches Geheimnis hütet Nr. 6? – noch interessanter zu machen. Ob die dieses Tempo wirklich 17 Folgen lang durchhalten? Oder wird es in Routine abdriften?

Eines kann man jedenfalls jetzt schon sagen: „The Prisoner“ macht nicht nur Lust auf mehr, sondern auch extrem paranoid: Hab ich diesen Darsteller nicht grade schon in einer anderen Rolle gesehen? Kann ich dieser Person wirklich trauen? Kann ich überhaupt dem ‘Helden’ trauen, über den wir ja genauso wenig wissen wie über Nr. 1?

Bin sehr gespannt ob und wie die Geschichte sich auflösen wird. Da bisher in jeder Folge das Personal komplett wechselte (Bis auf Nr. 6, den Wasserball, die Leute im Observierungsraum und ein paar Nebenpersonen) wage ich jetzt mal zwei Theorien, wer Nr. 1 sein könnte:

THEORIE Nr. 1

Nr. 6 ist Nr. 1.
Immerhin antwortet Nr. 2 ja auf seine Frage: „Who is Number One?“ mit „You are, Number Six!“
Evtl. hat er selbst das Village vor Jahren ersonnen und dann, äh, irgendwie vergessen um, äh.. und…äh… naja, einen Sinn gibt das nicht wirklich, denn er scheint ja noch zu wissen, was die anderen von ihm wissen wollen und vom Dorf wusste er ja am Anfang nichts… nee… also

THEORIE Nr2:

2. Mickey Mouse ist Nr. 1
Begründung:

a) Das ganze Dorf sieht aus wie Disneyland. Ausserdem wird in Folge zwei in einem Dialog auf eine Welt nach dem kalten Krieg angespielt, in der sich die alten Gegner in den Spiegel sehen und erkennen dass sie gleich sind: Die neue Welt – eine Art finsterer Freizeitpark. Klinisch sauber und mit fröhlicher Musik beschallt nach aussen, innen ein Überwachsstaat mit Laboratorien und Observatorien.

b) Man sieht 2x einen angedeuten Mickey Mouse Kopf: Die drei Wasserbälle in Folge 2 und die Bänder der Traummaschine in Folge 3.

c) Die Serie ist von 67. Schon damals war es ja hip (gerade für Briten) etwas gegen die Kulturhegemonie der Amis zu schimpfen und was eigenes dagegenzusetzen. Das „Village“ ist also von den Amis aufgezogen um… naja… gibt auch keinen Sinn.

Deshalb noch schnell:

THEORIE NR. 3:

Gordon Freeman ist der G-Man.

Neue Rubrik: Filme für Fünf Finuten!

Happy Weihnacht!
Pünktlich zum Fest gibt es eine neue Rubrik auf rhapso.de. Bei „Filme in fünf Minuten“ werden die Anfänge von Filmen auf den Prüfstand gestellt um die Theorie zu ergründen, ob man wirkich in den ersten zehn Minuten erkennen kann, ob ein Film etwas taugt.

Und da wir ja in einer Gesellschaft mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne

nur 5 Minuten

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spaß damit

pet

Voodoo: Schauspieler und Radioleute – Ein paar Gedanken übers Aufnehmen von Stimmen

Als wir 2000 mit unserem ersten Hörspiel anfingen waren die meisten unserer Sprecher Radioleute – ‘echte’ Schauspieler waren damals noch gar nicht innerhalb unseres Horizontes. Inzwischen hat sich das geändert und wir haben immer mehr die Vorteile von Profi-Schauspielern entdeckt. Erstaunlicherweise scheinen beide Gruppen sehr unterschiedlich zu sein, wenn es darum geht einen Text in ein Mikro zu sagen. Ich will mal versuchen diese Tendenzen (individuell ist natürlich jeder wieder anders) zusammenzufassen – auch um herauszufinden, wie ich meine eigene Arbeit als Dialogregisseur den spezifischen Anforderungen anpassen kann.

Radioleute (zu denen ich mich auch zähle) tendieren dazu, ins Studio zu spazieren, den Kopfhörer aufzusetzen und das was auf dem Blatt steht mit Begeisterung runterzulesen. Es kann der größte Scheiss sein – das sind sie aus dem Job gewohnt: „Die besten Hits der 80er, 90er und 00er Jahre!“ – sie lesen es mit Spaß und Emphase!
Radioleute hören gern ihre eigene Performance an und lernen daraus, wie sie es besser machen können.
Grob gesagt arbeiten wir eher an der Technik: Tempo, Lautstärke, Betonung und nutzen die Charakter-Motivation eher als groben Hintergrund. „Ok., mein Typ ist happy, ich sags mal fröhlich und dann gucken wir mal…“

Im Grunde wird hier eher ein KLANG MODULIERT bis er der Idee der Stimmung entspricht.

Vorteil: Es geht sau schnell
Nachteil: Es fehlt oft eine gewisse „Aufrichtigkeit“ in bezug auf den Text. Es gibt eher „Muster“ für einzelne Stimmungslagen als wirkliche Gefühle.

Schauspieler von Bühne und TV neigen dazu ohne Kopfhörer aufzunehmen. Auch sind sie viel vorsichtiger mit großen Gesten (die man ja im Radio ohne weiteres machen kann). Zudem sind sie viel mehr interessiert und besorgt über den Inhalt: Warum sagt mein Charakter das? Sie scheinen das aufgenommene nicht gern hören zu wollen, vertrauen lieber auf das Urteil und die Leitung des Regisseurs.

Im Grunde scheint mir hier eine STIMMUNG ERARBEITET zu werden, aus der dann der Klang resultiert.

Nachteil: Es dauert länger. Man muss viel erklären.
Vorteil: Die dargestellten Gefühle sind glaubwürdiger.

Eine besonders interessante Situation haben wir jetzt beim Voodoo-Hörspiel, wo bisher ein Radiotyp (Ich) versucht mit seinen Radiomethoden den Leuten zu erklären, was rauskommen soll: Betonung, Lautstärke, Tempo – all das hab ich genau im Kopf und kann es ggf. auch vormachen, aber wenn es um Charaktermotivation geht, muss ich in ausführliche Erklärungen verfallen, die dann den flow bremsen.

Was mir jetzt nicht ganz klar ist, wie ich mich methodisch anpassen kann, um auch Schauspielern das optimale Umfeld als Sprecher zu bieten. Mehr improvisieren lassen? Noch ausführlicher im Vorfeld über den Charakter der Figur sprechen? Wie erreiche ich einen natürlichen, selbstbewussten Flow wie beim Radiosprecher, der gleichzeitig die Nuancen des Charakters mitträgt?

Damn! Ich weis so wenig über den ganzen Kram – aber umso wichtiger ist dieses Voodoo-Experiment. Und man merkt auch wie sicher wir inzwischen in unseren Cassandra-Mustern sind, wo wir die Charaktere nach 7 Jahren einfach anknipsen können. Was auch cool ist.

Kino: Es werde Licht – „Elizabeth, The Golden Age“

Puh, Entwarnung „Elizabeth – das Goldene Zeitalter„, pardon: Königreich, ist kein schlechter Film geworden – aber auch lange nicht so furios wie der Vorgänger.

Die Handlung setzt ein paar Jahre nach Teil Eins ein: Elli hat inzwischen im Palast aufgeräumt, alles etwas netter und bunter eingerichtet, die alten Schummerecken durch hellen Marmor ersetzt. Nur ab und zu besuchen wir noch gotische Winkelchen, wie die Studierstube des Astrologen oder den alten Besprechungsraum aus Teil eins.

Während der Palast aufgehübscht wurde leidet die jungfräuliche Königin unter den ersten Falten und würde sich gerne vom netten Piraten Clive Owen trösten lassen, der aber leider zu jung ist, unter ihrem Stand und eigentlich auch mehr auf ihre hübsche Zofe abfährt.

Diese – leider recht undramatische – Dreiecks-Liebesgeschichte nimmt den Hauptteil der Handlung ein, der Rest sind Hofintrigen in Vorbereitung des nächsten Kriegs: Des Angriffs der Spanischen Armada.

Obwohl das Tempo im Vergleich zum Vorgänger deutlich langsamer ist und die Personen etwas weniger edgy mangelt es nicht an Höhepunkten: Die Szenen um die irgendwie unheimliche Maria Stuart (Samantha Morton), die Entwicklung Walsinghams, der die Grenzen seiner kalten Kalkulationen erfahren muss, der mühsam reimende österreichische Prinz oder die Blicke auf Bau und Aufbruch der Spanischen Armada. Deren Untergang ist dagegen recht prosaisch: Kaum sind ein, zwei Schüsse abgefeuert kommt auch schon ein Sturm und die Schiffe sind versenkt. Eine Schlacht gibt es nicht.

Kurz: Elli 2 ist nett, schön, prachtvoll – aber irgendwie auch biederer und altmodischer als der erste Teil. Auch die Musik wirkt hollywood-konventioneller. Und gerade der zentralen Liebesgeschichte fehlt leider der Biss.

WERTUNG: 3

DVD: Play a Volta – „Elizabeth“

Eigentlich wollte ich diesen Film ja nicht ansehen.
Ich hab ihn ja schon fünf mal gesehen, kenne viele Stellen auswendig. Aber nachdem morgen der zweite Teil startet guck ich doch mal kurz rein in

Elizabeth“ von Shekhar Kapur (1998)

Aber: Das Ding hat einfach den Nicht-Abschalt-Faktor: Schon der geniale Vorspann und die erste Szene in der ein paar ketzerische Protestanten ihren Weg auf den Scheiterhaufen finden – und um mehr Holz bitten „‘cos I burn to slow“ – sind derart hypnotisch – man kann nicht aufhören zu gucken. Dann die famosen ersten Szenen von Cate Blanchett, als noch junger Königsschwester und Geoffrey Rush als Vertreter einer blutigen Aufklärung…

Einfach alles an diesem Film ist auf bombastische Weise großartig: Die Soundeffekte, die expressive Kameraarbeit, die uns aus extremer Höhe, durch Vorhänge, durch Mauerspalten schauen lässt, die unglaubliche, sakrale Musik.

Dass der Film nicht an seiner eigenen pompösen Schaulust erstickt liegt einerseits an dem Wahnsinnstempo mit dem hier vorangeprescht wird, andererseits natürlich auch an dem hervorragenden Ensemble, dass sich um Cate Blanchett als Focus und Königin versammelt hat: Fanny Ardant, Sir John Gilgud (in seiner letzten Filmrolle), Sir Richard Attenborough (mit rotem Kopf), Daniel Craig (in der Rolle die ihn als Killer-Bond qualifizierte), Vincent Cassel (als sehr „ungewöhnlicher“ französischer Prinz), Christopher Eccleston (als Oberintrigant) , aber auch all die präzise gecasteten Nebenrollen von Botschaftern und Hofdamen. Alles sitzt hier auf den Punkt.

Und dieses herrliche Englisch – man weis gar nicht welches die coolste Zeile ist:

Vielleicht Elizabeths

I do not like wars – they have uncertain outcomes

oder Walsinghams

Innocence is your most precious gift -
you loose it, you loose your soul„,

oder vielleicht doch das bizarre:

I have become a virgin “ ?

Hoffentlich kriegen die morgen die Übersetzung von Teil 2 halbwegs hin (dass sie schon im Titel aus dem ‘Goldenen Zeitalter’ ein ‘goldenes Königreich’ gemacht haben ist schon mal bedrohlich), hoffentlich taugt das überhaupt was. Mich gruselts ja jetzt doch etwas vor „The Golden Age“. Was wenn es einfach schlecht ist? Kann, soll man einen solch famosen Film wie „Elizabeth“ überhaupt fortsetzen?
(SPOILER: Vor allem wenn am Ende zwei drittel der wichtigen Personen Paten-mäßig abserviert wurden und die Hauptperson zur eigenen Statue erstarrt ist? SPOILER END)
Das schlimmste wäre ja, wenn die Fortsetzung so sparig ist, dass sie rückwirkend das Original versaut (wär ja nicht das erste mal).

Insofern lieber gleich schnell eine königliche
WERTUNG A
für die Königin von England.

DVD: Mo chuisle – „Million Dollar Baby“

Und weiter geht die Eastwood-Entdeckungsreise, diesmal mit Million Dollar Baby„, Clints Oscar-Film von 2004.

Es beginnt wie eine der üblichen Sport-Erfolgsgeschichten: Ein Mädel aus der Unterschicht (Hilary Swank) überredet einen alternden Boxtrainer (Clint) dazu, sie zu unterrichten. Aus dem abgehalfterten Studio, in dem Morgan Freeman als Clints bessere Hälfte die Klos putzt steigen sie auf bis zum Weltmeisterschaftskampf gegen eine „fies boxende Hure aus Ost-Berlin“.

…aber trotzdem ist hier einiges anders als bei Rocky & Co. Warum schaut sie so lange auf den Nachbarshund? Warum ist ihre Mutter so undankbar? Sanfte Irritationen im gewohnten Muster des Sportdramas…. oder geht es hier vielleicht gar nicht um die olle „In Amerika kannst du gewinnen wenn du nur an dich glaubst“-Erfolgsstory?

Selbst als der Titelfight im Gange ist können M. und ich nicht abschätzen wohin das führen wird: Wird sie gewinnen? Oder erst mal verlieren und sich dann aufrappeln und am Ende gewinnen? Immerhin ist noch eine halbe Stunde über…

Was am Schluss passiert will ich nicht spoilern, denn die letzten 30 Minuten sind sehr stark und bringen die Vater-Tochter-Liebesgeschichte zu einem ungewöhnlichen, nachdenklichen Ende.

Wieder ein sehr schöner Film von Clint mit den typischen Tugenden dieses Regisseurs: Entspannte Musik und Atmosphäre, gute Schauspieler, ungewöhnliche Wendungen.

WERTUNG 1

Der bunte Tod: „Team Fortress 2″

Bisher war ich ja eigentlich kein Freund von Mulitplayer Shootern. Über irgendwelche Maps zu hetzen, fanatisch nach Waffen zu suchen um dann immer wieder von jemand erlegt zu werden, der viel besser ist – nee danke. Auch interessieren mich irgendwelche bierernsten Simulationen von Kriegen oder Terrorbekämpfung überhaupt nicht.

Doch jetzt kommt „Team Fortress 2„.

Eigentlich hab ich mir die orangene Schachtel ja vor allem wegen den enthaltenen Half Life 2-Teilen gekauft, aber da sich beim Installieren automatisch TF2 mit auf die Platte bringt hab ich da auch mal einen Server gesucht und ich muss sagen: Selten so gelacht!

Der ganze Shooter ist völlig unernst und comicmäßig: Alle Charaktere sehen aus wie gezeichnet und haben total überkandibelte Animationen. Da gibt es zum Beispiel den Donn Daredevil-artigen „Heavy Weapons Guy„, der mit einer riesigen Kanone (genannt ‘Sascha’) rumläuft, die er in Kampfpausen gern mal herzend an die Brust drückt oder den „Engineer“ mit Bauhelm, der sich – während die anderen kämpfen – erst mal hinten verschanzt und in Ruhe seine Kanonen und Teleporter aufbaut in welche die Feinde dann (hoffentlich) hineinlaufen.

Insgesammt gibt es 9 Klassen, die sich völlig unterschiedlich spielen – vom lauernden Scharfschützen über den wieselflinken Scout bis hin zum verkleideten Spion, der unter anderem die Kanonen des Engineer ausschalten kann. Der taktische Anspruch ist also enorm – nicht der agressivste Ballerer, sondern wer wirklich als Team arbeitet trägt hier den Sieg davon.

Gut find ich auch, dass in der deutschen Version die Figuren in Spielzeug und alte Räder zerfallen und nicht in Blutklumpen – passt zum niedlichen Comicstil. Überhaupt entdeckt man noch nach Stunden grafische Jokes, etwa dass der Spion so vernarrt in seine Zigarette ist, dass er bei Verkleidungen sogar ein Loch in die Maske gebohrt hat um weiterrauchen zu können.

Für Langzeitmotivation sorgen Online-Orden zum Sammeln (etwa wenn man als Pyro fünf Leute anzündet ohne selber hops zu gehen) – tja, so komm ich wohl so schnell nicht dazu Half Life 2 durchzuspielen.

WERTUNG: A

Kino: Schwerter des Königs

Der erste Aufnahmetag für „Ulun Ibahn“. Barbara und ich arbeiten etwa sechs Stunden ziemlich konzentriert an ihrer Off-Erzählung, welche den ganzen ersten Akt tragen wird.

Zur Entspannung hock ich mich danach in „Dungeon Siege – Schwerter des Königs“ (2007) eine recht amüsante Euro-Trash-Produktion von Uwe Boll, die hemmungslos beim Herrn der Ringe abkupfert: Ray Liotta (!) nutzt seine Tuning-Kräfte um das Königreich von Burt Reynolds (!!) anzugreifen. Im Weg stehen ihm Jason ‘Transporter’ Statham, Gimli, T-X und Hellboy!! Na wenn das mal kein Cast ist!

Von der ‘Story’ verschlaf ich trotzdem das meiste, was ich sehe ist aber seeehr innovativ: Am Anfang überfallen die Bösen nämlich ein friedliches Bauerndorf und am Ende (jetzt kommts!!) öffnen sich die bislang regenverhangenen Himmel und ein goldenes Licht scheint herab! Wahnsinn! Wo nehmen die nur all diese Ideen her??

Aber die Kampfszenen sind nett (wenn auch wacklig und schnell geschnitten) und es gibt einige nette Ideen, wie die durch Bäume gleitenden Waldamazonen oder die Orks, die sich selbst als brennende Schleuderkugeln nutzen. Witzig auch, dass alle Szenen mit Special-FX irgendwie unscharf sind, so war das nämlich im Mittelalter, da waren die Rechner noch langsamer. Kurzum:

WERTUNG: 3

DVD: Sehen sie die Linie? – „Walk the line“

Also irgendwie kommen mir diese Musiker Biographien alle ziemlich gleich vor: Egal ob „Tina – what’s love got to do with it?“, „La vie en Rose“, „Ray“ oder auch „The Doors“ und „The Wall“ – immer geht es um
I.bescheidene Anfänge,
II.schnellen Aufstieg,
III. Absturz durch Drogen und menschliche Probleme
IV. Erneutes Aufrappeln bzw. das Absinken bis zum Ende der Abwärtsspirale.

Vielleicht sind Musikerleben so. Die Gesichter und die Songs ändern sich – die Story bleibt.

Auch „Walk the Line“ von James Mangold (2005) erzählt genau diese Geschichte, diesmal am Beispiel von Johnny Cash und seiner Beziehung zu June Carter. An diesem hochgelobten Film faszinieren mich vor allem die Musiknummern: Sie erzählen die Story besser als als die vielen, vielen, vielen Familienlaberszenen im „Absturz durch Drogen und familiäre Probleme“-Akt und die Hauptdarsteller sind auch stimmlich überraschend nah dran an den Originalen.

Neben dem konventionellen Aufbau stört mich auch etwas die ausschließliche Konzentration auf die Love/Familienstory. Woher z.b. Cashs seltsame religiöse Texte kommen, warum er eine Zeitlang als Indianer rumlief und alles was nach seiner Heirat mit June geschah, darüber erfahren wir gar nix.

Ein netter Film, aber einer, bei dem ich nicht böse bin, dass mein Bruder ihn gekauft hat :-) .

WERTUNG: 2

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