He-Man doesn’t live here anymore

Na sowas, seit gestern mittag steht doch vor unserem Haus nichts geringeres als CASTLE GRACEKULL (oder Gray-Skull? Nee, ist ja mehr grün) von den Masters of the Universe und passt da irgendwie so überhaupt nicht hin:

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In den 80ern war es noch ziemlich scheffig, ein Castle Greyskull zu haben. Nur die Skeletor-Burg mit Verzerre-Mikrofon war noch cooler. Aber heute scheint He-Man voll out zu sein. (Zum Glück?). Die Schulkinder jedenfalls lassen das Ding mit dem aufgeklappten Mund einfach links liegen und so steht es jetzt schon eine Nacht im Regen. Ha! In ein paar Jahren kommt dann der unvermeidliche „Masters of the Universe“ Spielfilm und dann werden sie’s bereuen, das Ding nicht mitgenommen zu haben.

Aber Hochmut kommt wohl vor dem Fall. Schon damals wunderte man sich, warum diese Typen „Herren des Universums“ heissen, obwohl sie nur auf einem popeligen Planeten rumwuselten und sich mit Schwertern kloppten. Und nun stehen sie im Regen. Oder ist das der Beginn einer Invasion?? Ich werde die Burg im Auge behalten!!

Kino: Folter, Tod und Geigenmusik: „The Violin“

Menschenrechtsfilmfestival Perspektive #4

El Violin„, Francisco Vargas, 2005

Tja, was hab ich gesagt, „El Violin“ ist zwar kein Dokumentarfilm, aber trotzdem nicht unbedingt das, was einem den Freitag morgen (um 9 Uhr!) versüßt: Es beginnt mit Folter und Vergewaltigung, nachher gibt’s noch ein paar Erschiessungen.

Weil: Böses Militär besetzt ein Indiodorf. Der alte Violinenspieler geigt für den Kommandanten und schmuggelt heimlich Patronen aus dem Feld zu den Rebellen.

Langversion eines Kurzfilms von Francesco Vargas. Zu lang. Und zu plakativ. Gerade im Vergleich zu „Children of Men“ von gestern, wo all das schreckliche immer in der Tiefe des Bildes angesiedelt war und so durch die indirektheit viel stärker wirkte.

Hier ist alles konventionell „in the face“ und dadurch irgendwie unbeeindruckend. Plump. Edel fotographiert, aber halt ohne die Tiefenperspektive.

WERTUNG: 4

P.S.: Dieser Film gewann am Ende des Festivals den Hauptpreis. Die Jury lobte unter anderem die «subtile und poetische Weise“ des Films.
Müssen ihn wohl aus einer anderen Perspektive geguckt haben.

DVD – Brazil reborn: „Children of Men“

So, bevors morgen den nächsten deprimierenden Dokumentarfilm gibt brauch ich doch mal eine Dosis Science Fiction. Zwar auch düster, aber wenigstens garantiert nicht echt.

Und zwar: CHILDREN OF MEN von Alfonso Cuarón, 2006

„Unterschätzt“ war das Wort, was in beinahe jeder Kritik zu diesem Film zu lesen war (der Rest mochte ihn einfach nicht) und das dieses Ding eigentlich ein paar Oskars verdient hätte. Also – mal gucken!

Der Anfang ist schon mal sehr genial: Die Company Logos kommen in vollkommener Stille auf die Leinwand. Dann ein kurzer Prolog der uns in die Welt einführt: England 2027. Gerade ist der jüngste Erdenbürger getötet worden. Er war 18. Alle Menschen sind unfruchtbar. Noch bevor unser Held Theo (Clive Owen) darüber nachdenken kann explodiert etwas. Titel. Ned schlecht.

Da die Leute durch die Unfruchtbarkeit noch irrer geworden sind als sonst herrschen überall Straßenkämpfe. England wehrt sich, indem es alle Ausländer einsperrt (toller Plan, fascist pigs.) Natürlich gibt es einen Untergrund – „The Uprising“ und angeblich auch ein Resort von Humanisten, genannt „Human Project“. Unser Held gerät zwischen alle Fronten als er für seine alte Liebe (Julianne Moore) eine Frau ausser Landes bringen soll – eine schwangere Frau.

Mehr sei hier nicht verraten, jedenfalls schafft „Children of Men“ es mit vielen Details eine Zukunftsvision irgendwo zwischen Soylent Green und Brazil zu entwerfen, die aber dennoch sehr, sehr eigenständig ist. Bis auf ein kurzes, langweiliges Intermezzo auf einer Farm mit labernden Revolluzzern gibt es eigentlich nur starke Szenen.

Der besondere Clou dabei: An all den Stellen, wo schlechtere Filme in Schnittorgien ausarten würden (Action oder dramatische Charaktermomente) fällt dieser Film in unglaublich laange Takes – aber ich war zu beschäftigt mit der Story und der Welt um wirklich drauf zu achten. Muss ich glatt noch mal separat für Technik angucken. Dass das funktioniert, ohne zum Technikspektakel zu werden ist schon erstaunlich.

Allein dafür plus das originelle Setting, das tolle Design und die großen Momente (wann hat man zuletzt King Crimson in einem Hollywood-Film gehört?) hätte „Children of Men“ eigentlich ein fuckin’ A als Wertung verdient.

Aber, hey: Dann wäre er ja nicht mehr unterschätzt, gell?

Also:
WERTUNG: 1
Hehe.

Kino: „Paper cannot wrap up embers“

Menschenrechtsfilmfestival #3:

„Le papier ne peut pas envelopper la braise“ von Rithy Panh, 2006

Sie sind jung, hübsch, tragen knallbunte Kleider und leben in einem leeren, heruntergekommenen Hochhaus: Die Prostituierten von Kambodscha. Im Gegensatz zum letzten Dokufilm ist dieser wieder ganz nah bei den echten Menschen.

Die Mädchen leben in einer Art WG, eine „Madame“ sucht die Freier aus und kassiert die Hälfte des Geldes, Jungs auf Motorrollern bringen die Mädels in die Stadt. Viele haben ein Kind, einige AIDS („von den UNO-Schutztruppen“), die meisten haben etwa zwei Abtreibungen pro Jahr, bis es der Körper nicht mehr aushält, die Schmerzen unerträglich werden. Zur Ablenkung rauchen sie die Droge Ma mit Strohhalmen aus alten Gläsern.

Und immer der Kontrast zu diesen edlen, feinen Gesichtern! Ich kann durchaus verstehen, warum Männer dafür zahlen, mit diesen Frauen zu schlafen. Ich kann nicht verstehen, warum so viele davon sie schlagen.

Davon erzählen sie, in ihrer sanft-perlenden Sprache, mit Sätzen voller Poesie: „Money made man worthless“ oder „Was ich am meisten bereue? Nicht als Tochter reicher Eltern geboren zu sein.“

Irgendwann kommt die Mutter vorbei und fragt, warum die Mädchen sich beklagen: Früher, unter den Roten Khmer, sei doch alles noch viel schlimmer gewesen.

Formal ist das Standart: Es gibt Talking Heads und viele Gespräche wirken durch Schuss/Gegenschuss-Aufnahmen gestellt. Aber inhaltlich kommt der rage, die hilflose Wut des Filmemachers Rithy Panh durchaus beim Zuschauer an.

Nur wohin damit?

WERTUNG: 2

Voodoo: Die Schlacht um den zweiten Akt

Also langsam glaub ich, ich hab die erste Szene von Act II öfter umgeschrieben als den ganzen ersten Akt zusammen. Aber langsam scheint es zu funzen. Einerseits soll es ja mit einem Paukenschlag beginnen – andererseits müssen die wirklich coolen Sachen natürlich für das furiose Finale in Act III übrigbleiben.

Ein Grund warums so schwer war: Eine Hauptperson war bisher geistig nur als „Schurke des Stücks“ definiert. Das ist zu wenig, wie sich beim schreiben herausstellt. Auch wenn es im Stück nicht vorkommt, muss ich zumindest wissen, was diese Person für eine Motivation hat, damit es nicht ein willkürliches Gestöpsel wird.

Ausserdem hab ich beschlossen, dass Ruul, als jemand der aufs Jetzt und auf die Zukunft fixiert ist, immer im Präsens erzählt. Das ist verdammt ungewohnt. Zudem fällt mir auf, dass er manchmal wie Atlan klingt, wenn er so vor sich hin icherzählert. Das stört mich aber nicht (ich steh zu meinen schlechten Vorbildern :-) ) und lass ihn gleich mal „Du Narr!“ zu sich selber sagen.

Während der zweite Akt also langsam fertig wird – die anderen Szenen gehen schneller – wird auch der erste noch mal etwas umgemodelt. Das Gefluche fällt raus (wieder eine Routine aus der Cassandra-Produktion, immer wenns zu emotional wird: Fluchen lassen. Das funzt aber nur bei Cass, nicht bei Catherine) und die vermaledeite Liebesszene wird noch mal etwas herumgeschubst.

Bin mal gespannt auf Akt III.

Weisheiten des Web – oder: the ZEN of SPAM

O.k., ich brauch weder blaue Pillen (auch nicht in „grozen Doosen“), noch die Mitgliedschaft in einem Online-Casino, noch zusätzliche Viren auf meinem Rechner. Deshalb wandert täglich jede Menge Spam-Dreck in den Mülleimer. Aber ab und zu sieht man beim Löschen der Flut doch Betreffzeilen, die wirklich zum nachdenken anregen.

Zum Beispiel jetzt gerade diese:

Was nützt ihre Plattensammlung ohne Plattenspieler?

Wow! Ned schlecht. Verdammt nah dran an dem Zen-Koan

Zwei Hände machen ein Geräusch.
Welches Geräusch macht eine Hand?“.

Aber warum ein Plattenspieler? Warum nicht ein CD-Player? Oder wie wäre es mit – Was nützen 97 Kanäle ohne Fernseher? Fast wäre ich ja versucht, die Mail anzuklicken, aber die Enttäuschung, dass mir dann doch nur ein Plattenspieler verkauft werden soll – oder gar blaue Pillen, denn

„Was nützt ein Partner ohne – - Plattenspieler?“

- wäre zu groß.

Wie damals bei der Frage:

„Warum soll man sich bücken um die Schuhe zu putzen“?

Da hab ich auch lange drüber nachgedacht. Ist das eine Anspielung auf die dritte Welt?

(„Hey, Neger, putz mer d’Schua!“
„Aber Massa, du hast ja Turnschu oh!“
„Halt’s Maul und putz, sonst fangst a boar!“
- Hans Söllner, „Der deutsche Tourist“.)

Oder auf die Ungelenkigkeit von heute, weil niemand es mehr schafft, seinen Schuh bis zum Mund zu bringen und ihn abzulecken so wie in der guten alten Zeit?

Schöne Antworten! Aber natürlich wollte mir der Spammer nur eine langweilige Schuhputzmaschine verkaufen. Nee. Der Versuch die Frage zu verstehen ist wichtiger als die Antwort. Spam-Zen.

Mein absoluter Favorit unter den Zen-Botschaften des Spam ist aber folgende Aufforderung, die immer wieder zu lesen ist:

Man lebt nur einmal. Probier es aus!“.

Sicher? Nein, die öffne ich lieber doch nicht.

Kino: Fairer Handel – mit Menschen

So, jetzt gibt’s erst mal eine Auszeit für die lustigen SF- und Fantasy-Filme die sonst hier das Groß ausmachen. Für die nächsten Tage gilt es Filme des Menschenrechtsfilmfestivals zu sichten. Mit so lustigen Themen wie Krieg, Prostitution und Menschenhandel. Let’s go!

Den Beginn macht „Fair Trade“ ein Kurzfilm von Michael Dreher, der in 16 Minuten sehr konzentriert auf seine bittere „Pointe“ zum Thema Kinderhandel hinarbeitet, sich aber aus meiner Sicht nicht wirklich zwischen kritischer Distanz und emotionaler Nähe entscheiden kann.

WERTUNG: 2

Mit Menschen-, genauer Frauenhandel geht’s dann auch weiter in „Kurz davor ist es passiert“ von Anja Solomowitz. Wir hören authenthische Geschichten verkaufter Frauen – allerdings nicht von ihnen selbst erzählt, sondern von Randpersonen ihrer Dramen: Grenzer, Taxifahrer, Bordellkellner…

Eigentlich ein sehr feiner Kniff, weil er das voyeuristische des Genres („mal sehen, wie solche gehandelten Frauen aussehen“) aushebelt und uns ganz andere Menschen in ihrem Alltag zeigt, der sich teilweise kurios mit den Geschichten der Frauen überschneidet. In der Praxis zieht sich das allerdings sehr, weil die Laiensprecher sehr monoton sind und auch die Inszenierung recht schleppend ist. Einige Bilder sind sehr streng komponiert (am liebsten mit einer tür auf 2/3 als hätte der Kameramann gerade erst den goldenen Schnitt entdeckt), dann gibts aber wieder unnötig plakative Momente, in denen sich die Kamera wie in einem 80er-Jahre Horror-Film an die Leute ‘heranschleicht’.

Insgesamt eher ermüdend als erhellend.
WERTUNG: 4

Kino: Guck mal wer da guckt

Disturbia„, D. J. Caruso, 2007
Fenster zum Hof„, (Alfred Hitchcock, 1954) für die Generation-Blair-Witch.
Nett, aber irgendwie überflüssig.

WERTUNG 3

P.S.: Das Poster erinnert irgendwie an Command & Conquer, oder?

Zur Zeitungskritik

Kino: Shaken not stirred – Bourne 3

„The Bourne Ultimatum“ by Paul Greengrass, 2007

Ein bischen geht es mir wie dem Superkiller Jason Bourne, der nun schon zum dritten mal auf der Suche nach seiner Vergangenheit ist: Ich kann mich an kaum etwas erinnern und weis nicht immer wer die Leute sind. Das liegt aber in meinem Fall nicht an Geheimprogrammen der Regierung (Obwohl?), sondern schlicht daran, dass ich Bourne 1 nicht gesehen habe und von 2 nur noch weis, dass ständig die Kamera gewackelt hat.

Das tut sie hier auch. Aber im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen passt es hier irgendwie. Immerhin ist dieser Dogma-Bond formal und inhaltlich ein legitimer Erbe der rohen Polizei- und Paranoia Filme der 70er – French Connection, 3 Days of the Condor oder Manchurian Candidate.

Das ständige Gewackel und die treibende Musik sorgen für ein rasantes Tempo, das erfolgreich darüber hinwegtäuscht, dass viele Szenen recht konventionell oder unglaubwürdig sind. Aber es ermüdet auf die Dauer auch Augen und Geist. Ähnlich wie beim Autofahren scheint es nicht das konstant hohe Tempo zu sein, was den Kick gibt – sondern eher die Phasen der Beschleunigung oder Bremsung, die dem hyperkinetischen Bourne ziemlich abgehen – hier findet der Wechsel nur zwischen ziemlich schnell und sauschnell statt.

Fazit: Gutes Entertainment mit rohem Charme, dem aber etwas die Konsequenz der Vorbilder fehlt. Ein offenes Ende a la French Connection wäre irgendwie cooler gewesen als der oberdeutliche Hinweis am Schluss: Bourne to be alive.

WERTUNG: 2

DVD: Von Affen und Hamstern – „12 Monkeys“

„12 Monkeys“ von Terry Gilliam, 1995

Die Zukunft ist wahrlich schon Geschichte: Diesen Film sah ich damals auf der Berlinale und war ziemlich enttäuscht, weil er ganz anders war als „La Jetée“ und überhaupt nicht wie „Brazil“. Aber nun, da 1996 Vergangenheit ist (und weil die DVD mal wieder ‘n 4 €Schnäppchen war), versuch ich ihn noch mal losgelöst von allen Vergleichen zu sehen, einfach als das was er ist: Schön designt, aber holprig geschrieben und vor allem viel zu lang.

Viel zu viel Zeit wird damit verbracht, zu fragen, ob die Zeitreisegeschichte auch eine Wahnvorstellung von Bruce sein könnte. Woher denn? Wir haben doch die Zukunft schon gesehen? Auch Brad Pitt ist als irrer Fuchtler ziemlich schwach, wohingegen Willis und Stowe recht glaubwürdig sind.

Sehr interessant ist auch die begleitende Doku „Der Hamsterfaktor“, die überraschend kritisch ist und Terry Gilliam zwar als genial, aber auch als hoffnungslos wirr und überfordert zeigt. Leider ist die Doku deutsch eingesprochen, so dass man nicht nur Gilliams knödeligen Akzent verpasst, sondern auch oft nicht weis, wer gerade im Off was sagt. Trotzdem erklärt sie ein paar der Holprigkeiten des Films – die Stimmung am Set war wohl nicht die beste.

Meine Stimmung zu Affen und Hamstern ist jedenfalls bestens ausgedrückt in der

WERTUNG: 3

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