Kino: „Piraten der Karibik 3″

„Pirates of the Carribean 3″von Gore Verbinski, 2006

Eingeschlafen.

WERTUNG: 5

Fußball in Mittelerde

Typisch Nürnberg – entweder ist gar nichts los oder alles auf einmal. Heute abend war’s das Pokalspiel und der erste Event in HdR-Online. Also: Mit den Ohren in Berlin und mit den Augen in Mittelerde.

Während in der Tolkien-Welt hunderte von Helden sich einen Weg entlangdrängeln um ein paar Geister zu vermöbeln (das Event entpuppt sich als recht unspektakuläre und dezent planlose Begleitquest) dreht das Spiel in Berlin richtig auf. Ein Krimi, bei dem es hin und her geht, sauber getragen von den Kommentatoren von B5. Radio-Reportagen rulen einfach.

Dafür geht in Ered Luin schon nach wenigen Schritten gar nix mehr: Der Server biegt sich unter der Spielerlast und der Kampfzug wird zur Diashow. Kurz nach dem Start der Verlängerung haben anscheinend auch die Elben Wadenkrämpfe und bleiben stehen. Die Zeit reicht noch für Verabschiedung, dann verabschiedet sich der Server.

Dann noch ein Tor. Draussen Böller. Nürnberg rulez. Wir sind Papst!
Dann Ruhe.
Dann fettes Gewitter. Kurz, aber heftig.
Jedenfalls: Der Club ist heute mal nicht der Depp!! Wie schön!

DVD: „Richard III.“

and now for something completely different:

Richard III. von Richard Loncraine, 1995

Lang bevor er Gandalf wurde war Ian McKellen ‘Richard III.’, der sich skrupellos durch die eigene Familie mordete um für ganz kurze Zeit König von England zu sein. Einem England, das in diesem Film aussieht wie Nazi-Germany. (Well, that’s the british definition of evil, i guess).
Der Film war damals eine meiner ersten Kritiken für Radio Z und die Wertung war sowas in der Richtung „Trotz der Effekte: Zu viel Theater, zu wenig Film“. Aber auch beim Wiedersehen auf DVD – endlich in Englisch, wenn auch mit zwangsweisen deutschen Untertiteln – fällt auf, wie sehr hier zwei Formen miteinander ringen: Hier die geschliffenen Dialoge, da die plakativen Effekte, hier liebevolle Details, dort wieder eine Grobheit.

„Richard III.“ ist ein Bastard, ein Stück, das träumt ein Film zu sein. Und das schöne: Er gibt es offen zu. Wie uns Richard augenzwinkernd in seine Ränke einbezieht und seine Feinde einlullt so lockt auch der Film mit einer Scheinwelt, die er selbst nicht glauben will: ‘it’s only a paper moon’. Das soll gar nicht harmonieren, das darf nebeneinander stehen: Die Riesenschlacht, der trockene Monolog, die gewaltige Kulisse, das Versmaß, der Swing, the rotten and the royal.

Fazit: Macht Lust auf mehr – mehr Shakespeare, mehr Jazz, mehr Explosionen und mehr Panzer. Auf mehr Filme, die einfach mal anders sind. Die nicht langweilen.

Wertung: 1

DVD: „The Legend of Gingko“

Danjeogbiyeonsu von Je-Hyeon Park, 2000

Eigentlich ein guter Plan: Ein Mai-Sommerabend, ein Bier und ein asiatischer Fantasy-Schnetzel-Film. Noch dazu die Fortsetzung des versponnenen „Gingko Bed“ (in dem ein böser alter Krieger im modernen Korea seine Geliebte suchte). Doch dann die erste Überraschung: Der Titel ist Ettikettenschwindel, der Film hat vom Inhalt nichts gemein. Hier geht’s um zwei Völker – die guten Volcanos und die bösen Hawks – welche sich seit 500 Jahren bekämpfen Um zu gewinnen müssen die Hawks während der heiligen Mondfinsterniss das heilige Kind am heiligen Berg mit dem heiligen Schwert töten. Heilige Scheiße! Nun gut, muss man das heilige Bier halt schneller trinken.

Das ganze sieht auch aus wie 80er Jahre Fantasy, schön fotografiert, mit blutigen Kämpfen… aber auch mit endlosem blablablub und einer Vierecks-Liebesgeschichte, die mich nun gar nicht interessiert. Die Helden sind auch viel zu fad in ihrem ach-so-lieblichen Dorf!!! Hier scheint sich die Industrienation Südkorea a bissl arg in ein ländliches Kitsch-Idyll vom feinsten reingeträumt zu haben.

Was die „Legende“ vorm Absturz rettet sind die agile Kamera, der schmackige Orchestersound. die adretten Babes und die netten Bösewichter, welche unsere Helden (wer hat den Typ mit der blöden Strähne ausgesucht?!?) eigentlich locker in die Tasche stecken müssten: Einfach kurz von hinten anschleichen, wenn die zum hundersten mal über den Plot reden und swwuuush!! Naja. Lange Rede, kurze

WERTUNG: 4

Voodoo-Hörspiel: Ulun Ruul erwacht (Minor Spoilers)

When in doubt combine heißt die goldene Regel des Geschichtenerzählens: Ideen, Dinge, Momente verknüpfen, die vorher nicht zusammengehörten. Und manchmal weis man auch noch genau, wo sie zusammenkamen. Bei Ruul war es im Stau an der Rothenburger Straße. Während ich warte, dass es weitergeht und mich wundere, warum ich nach acht Stunden Schlaf immer noch hundemüde bin – viel zu müde um mir nebenbei zu überlegen, was ich Ruul, dem zweiten Erzähler des Voodoo-Hörspiels, besonderes geben kann, damit er ein guter Widerpart zu Catherine wird – kommt plötzlich die Verknüpfung: Ruul ist müde. Immer. Dauernd. Weil: Er darf aus geheimen Gründen nicht schlafen, denn wenn er es tut… jupieh!

Wenige Stunden später ist die Geschichte um Ruul gestrickt und damit alle Figuren auf dem Spielbrett platziert. Jetzt gilt es eigentlich nur noch den Anpfiff zu geben und zu sehen, was passiert, wenn sie aufeinandertreffen. Die Spiele mögen beginnen!

DVD: „The Wild Bunch“

The Wild Bunch, Sam Peckinpah, 1969

Es beginnt mit einem Massaker: Bei einem missglückten Überfall töten die Bande von Pike Bishop (William Holden) und ihre genauso skrupellosen Verfolger eine halbe Stadt, inklusive einer Parade der Heilsarmee. Pike und seine Kumpels (darunter Ernest Borgnine und Warren Oates) fliehen nach Mexiko… nur um dort in die Mühlen eines Bürgerkrieges zu geraten, der die Loyalität der Bande auf eine harte Probe stellen wird. Am Ende steht ein zweites, endgültiges (?) Massaker.

Ende der 60er war „The Wild Bunch“ wegen der blutigen Kampfszenen ein Aufreger, heute ist er ab 16. Und zwischen den drei großen Action-set-pieces entspinnt sich auch eher ein ruhiger, romantischer Spätwestern um alternde Anti-Helden und politische Intrigen. Gut gespielt (Borgnine scheint allein für ‘Trauer’ mehr unterschiedliche Gesichtsausdrücke zu haben als manche Schauspieler für alle Gefühlsregungen zusammen), schön gefilmt und mit teilweise poetischen Dialogen: Alle Männer träumen davon Kinder zu sein, besonders die bösen.

Was mich stört ist dann auch nichts wirklich in dem Film, sondern eher sein Nimbus als großer Erneurer der Formsprache. Für Amerika mag das ja gelten, aber global wirkt er in vielem eher wie eine Rückübersetzung der italienischen Western-Pastiches: Ohne den Manierismus, die ironische Distanz und den Morricone-Score, aber mit Djangos’ MG, Solimas schräg-politischem Personal und Leones langsamem Spannungsaufbau. Nicht ohne Grund legte Sergio Leone später Peckinpah in „My name is nobody“ einen Grabstein an und liess eine betont alberne Wild-Bunch daran vorbeireiten.

Aber ich bin ja nicht blöd: Das ist ein guter Film – monolitisch, geradlinig, ohne blöde Mitnehm-Moral. Deswegen – und weil ich keine Lust hab, mir ne Kugel einzufangen – kriegt die Wilde Horde die

WERTUNG: 1

DVD: „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“

(aka „Zombi 2″, aka „Zombie Flesh Eaters“, aka „Island of the living dead“, aka „Gli Ultimi Zombi“)

Ach herrjeh, Zombi-Filme… da bin ich eigentlich schon ein bischen rausgewachsen. Aber dieser Lucio Fulci-Klassiker von 1979 lässt sich dann bei einer Pizza doch ganz gut gucken, weil alles drinn ist:Eine Insel voller Zombies, verrückter Wissenschaftler, weisser Haie und draller Damen. Denn wie im italienischen Film der 70er üblich wurden die Darstellerinnen nicht nach ihrer Schauspielkunst ausgesucht und die Herren nicht nach dem Aussehen (unser Held hat eine schreckliche Halbglatze).

Die Bluteffekte sind dafür richtig herb, gepaart mit freakiger Musik und fetten Sound-FX muss man da schon ab und zu die Pizza beiseite legen, weils ned wirklich schmeckt. Witzig auch, dass man dem Dschungelabenteuer nach dem Erfolg von Romeros Zombie-Filmen eine Ramenhandlung in New York verpasste, um eine Fortsetzung zu suggerieren. (Darum heisst der Film ja auch unter anderem ‘Zombi 2′ – einen ‘Zombi 1′ gibt es nicht.)

Ob ich da viel für mein Voodoo-Hörspiel rausnehmen kann, weis ich nicht, da die Standart-Elemente hier doch recht – naja standartmäßig verwendet werden. Aber immerhin scheint die DVD von Laser Paradise mit 88 Minuten recht uncut und als Vorbereitung auf das Tarantino-Grindhouse ist es ja genau das richtige. Man ist ja nie zu alt für Zombis.

Wertung: 3

DVD: „Inside Deep Throat“

Die Geschichte eines Skandalfilms: 1972 dreht der ehemalige Friseur Gerard Damiano für ein paar tausend $ mit einer bunten Crew die Porno-Komödie „Deep Throat“. Erklärtes Ziel der Freaks: Dadurch billig an Sex zu kommen. Der Film hat Erfolg. Unattraktive Besorgte Moralhüter werden neidisch und protestieren. Dadurch bekommt er noch mehr Erfolg. Gesetze werden verschärft, der Film verboten, der Hauptdarsteller (der ganze 250 $ verdient hat) verhaftet. Die Mafia organisiert illegale Aufführungen und macht Millionen bis die entstehende Video-Porno-Industrie die Lücke füllt… „Boogie Nights“ – nur halt in echt!

Randy Barbato und Fenton Bailey packen in ihre Dokumentation „Inside Deep Throat“ jede Menge kompetenter Interview-Partner und einen ganzen Haufen Themen: All die ritualisierten Spiele um Macht und Moral, Sex und Geld, Verbot und Liberalität für die der eigentlich recht läppische „Deep Throat“ nur den Anlass bildet. (Man könnte genausgut über Computerspiele oder Rauchen in Gaststätten streiten, aber hey, wir sind ja heute schon viel weiter – oder?)

Leider wirkt „Inside Deep Throat“ in dem Versuch irgendwie selbst nach 70er auszusehen etwas arg effekthascherisch. Da schwirrt einem dann nach kurzen 86 Minuten schon der Kopf. (Vielleicht haben mich aber in letzten Zeit auch nur ‘Full Metal Village’, ‘Flags of Iwo Jima’ , ‘The Good Shepherd’ etc. für ruhiges Kino begeistert: Wo geistig was passiert darf die Form ruhig still sein).

Ein paar Dinge bleiben aber hängen: Die Oma die sagt, dass niemand ihr verbieten kann einen schmutzigen Film zu gucken wenn sie will, die Feminsitinnen, die mal dafür oder dagegen sind, je nach dem ob sie Unterdrückung oder Befreiung reininterpretieren oder die Aussage: „Wenn die Times darüber schreibt – dann muss es O.k. sein“.

Leider bietet die DVD von Constantin Film keine Untertitel, so dass nur deutsches Voice-Over oder schwer Verständliche OV bleiben. Dafür gibts Extras, die unter anderem erklären, wie das technisch genau geht mit dem „Deep Throat“. Das möchte ich hier aber nicht verTIEFEN, höhö, Beavis.

Statt dessen eine sachliche Wertung: 2

DVD-Double-Feature: Tati vs. McKenzie

Klassiker gegen Quatsch: In der dritten Ausgabe unserer Double-Feature-Reihe mit Kaminfeuer lassen B. und ich heute Jaques Tatis „Schützenfest“ (1949) gegen Peter Jacksons Doku „Forgotten Silver“ (1995) antreten.

Und wie schon beim Duell „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (Truffaut) vs. „Bananas“ (Allen) zieht der berühmte Franzose deutlich den kürzeren: Zwar lacht man beim „Schützenfest“ schon ab und zu, wird aber genervt durch penetrante Klangkulisse, schlechte Running Gags, überflüssige Kommentatoren (der Film funktioniert eigentlich als Stummfilm) und komisches – also: seltsames! – Timing. Nix gegen Slapstick mit Fortschrittskritik – aber das haben Chaplin oder die Marx-Bros. mehr als 10 Jahre vorher schon tausendmal geiler gemacht. Geschossen wird übrigens auch nicht richtig, sondern nur in einer Bude auf Dosen – das Schützenfest ist eher ein Jahrmarkt. (Eigentlich auch ein Fall für die Synchro-Lügen-Sektion, im Orginal heißt der Film schlicht „Jour de Fete“ – Festtag).

Umso besser dann Peter Jacksons Dokumentation „Forgotten Silver“über den berühmten Neuseeländischen Filmpionier Collin McKenzie. Leider unbeschreiblich, falls man sie noch nicht kennt. Nur die „Salome“ ist mir – trotz der Kürzung von drei Stunden auf 10 Minuten – immer noch zu lang. Womit die Wertung feststeht:

Tatis Schützenfest: 4 // Forgotten Silver: 1

Tja, die Franzmänner kriegen noch eine Chance. Uns schwebt so was wie „A bout de souffle“ vs. „Nothing“ vor … oder „Delikatessen“ vs. „Dänische Delikatessen“. Mal sehen!

Voodo-HSP: Eine Kassette mit drei Seiten (Vorsicht – kleine Spoiler!)

So langsam kommt die Sache in die Gänge: Das Casting – zumindest der weiblichen Stimmen – nähert sich seinem Ende und auch die Story scheint ihre vorerst endgültige Bahn zu finden: Catherine sucht jetzt wieder ihren Vater, die Insel ändert wieder ihren Namen und aus dem „glutäugigen Lover Raoul“ (einem Relikt aus der allerersten Version, die noch viel mehr Tele-Novela war) wird ‘Ruul’, der angehende Voodoo-Meister vor seiner Prüfung.

Auch die Struktur nimmt allmählich komplexe Gestalt an. Beschreiben lässt sie sich so: Stell dir eine Kassette mit drei Seiten vor!
(Das ist auch ein erster Test, ob deine Fantasie für dieses Hörspiel reicht *g*).

Auf Seite 1 hören wir die Geschichte aus der Sicht von Catherine, die neu auf die Insel kommt – etwa zu zwei dritteln. Auf Seite 2 hören wir die selbe 2/3-Geschichte aus dem Blickwinkel des eingeborenen Zauberers Ruul, was ihr völlig neue Seiten gibt. Auf der kurzen Seite 3 findet sich das furiose Finale, bei dem Catherine und Ruul gleichzeitig oder abwechselnd erzählen und das – hoffentlich – noch mal alles umwirft! (Don’t try this at home…)

Theoretisch sollte man das Hörspiel mit Seite 1 oder Seite 2 beginnen können oder auch nur erst mal eine Seite mit Epilog hören und dann die andere – und sich dabei nicht anfühlen wie eine kopflastige dramaturgische Rechenaufgabe, sondern schwebend leicht, wie ein Song oder ein Gedicht.

Ja, das wird schwierig.
Es birgt sogar die Möglichkeit des Scheiterns.
Aber gerade das macht es interessant.

(Und glücklicherweise gibt’s ja einige Beispiele solcher Storys die funzen (z.b. 11:14 oder Rashomon) – aber halt ned von mir. Die einzigen Grenzen, die man überwinden kann, sind die eigenen.)

Also bleibt gespannt auf die Reise zur Voodoo-Insel!

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