DVD: Retro in Kairo – „OSS 117″

In Kairo ist alles voller Spione! Und die meisten davon tarnen sich als Tierhändler. Eines Tages verschwindet der französische Mann (getarnt als Hünerhändler) spurlos. Der Geheimdienst wittert Mord und schickt Super-Agent OSS 117 (Jean Dujardin) nach Ägypten.

Dort bekommt er es mit geheimnisvollen Prinzessinen, radikalen Muslimen, bösen Altnazis und jeder Menge als Tierhändler getarnten Spionen zu tun. Pech nur, dass OSS 117 zwar fast aussieht wie Bond, aber leider strunzdoof und eingebildet ist.

Braucht es denn noch eine „Bond“-Parodie könnte man fragen. Doch OSS 117  (nacheiner Romanreihe die älter ist als Flemmings Martinitrinker) ist auf jeden Fall einen Blick wert, auch wenn er hierzulande nur auf DVD erschienen ist (von einem kurzen Kinobesuch auf dem Fantasy-Filmfest abgesehen).

Der Humor ist nömlich kein „Austin Powers“ Dauer-Pointen-Feuerwerk, sondern eher ein leises, aber durchgehendes Schmunzeln, eine herrliche Absurdität, die von Oliver Kalkofe mit viel Liebe ins Deutsche übersetzt wurde.

Jean Dujardin sieht (bis auf die Nase) wirklich sehr wie Sean Connery aus und auch sonst sind Look und Stil fantastisch nachempfunden: Erdige Farben, wacklige Rückprojektionen  und natürlich der furiose Soundtrack machen OSS zu einem herrlichen Retro-Erlebnis – man könnte wirklich meinen einen Film aus den frühen 60ern zu sehen, wären da nicht die Gags auf Kosten des Helden.

Ansehen! Spaß haben!

WERTUNG: 2

Kabarett: „Eure Mütter“

Dem lustigen Mr. G hab ich es zu verdanken, dass ich gestern EURE MÜTTER (ja genau) kennenlernen durfte.

Die lustige drei-Mann-Truppe kommt aus Stuttgart und macht sowas wie Musik-Comedy, also lustige Songs, aber auch so Kabarett-Theater. Das aktuelle Programm heißt „Schieb Du Sau! (Extra)“ und zeigt auf dem Poster ein kleines Mädchen, dass ihre Mutter im Kinderwagen vor sich her schiebt.

Das Extra bezieht sich darauf, dass die drei hier Elemente des „Schieb“-Programmes (ihres ersten) mit Stücken aus ihrem zweiten verbinden („Aber da wir noch nie in Nürnberg waren ist das eh wurscht! Ihr kennt’s ja doch nicht!“) Von wegen – es sind einige Fans da, die fleissig mitsingen und ebenso ausdauernd wie erfolglos den Hit „Der Typ, der bei der GEMA die Titel eintippt“ einfordern.

Aber auch für Mütter-Neulinge wie mich gibts an dem Abend viel zu lachen: Sei es der Auftritt als Boygroup mit Handycaps, als Frauen in der Toiletten-Warteschlange, als Rapper („Zauberwürfel! Zauberwürfel!“ – „Nee, das klingt nach nix. Versuch ein anderes Spielzeug!“ – „Yo! Yo!“) oder das spektakuläre Finale mit dem Synchron-Haarewaschen.

Nur zu dumm, dass weder G noch mir ein lustiger Vergleich zwischen Tina Turner und einem Aquarium einfällt, sonst hätten wir beim Rätselspiel in der Pause noch eine Mütter DVD gewinnen können. Sonst aber ein ganz feiner Abend.

Kino: „New Moon“

„Komisch, hier sind ja auch Männer im Kino“, wundern sich die beiden Frauen, die sich ein paar Plätze weiter niederlassen. Hey! Ich mochte den ersten Teil! Zwei Stunden später kann ich sie etwas besser verstehen.

Klar, nach „Durst“ wirkt wohl fast jeder andere Vampirfilm latent unterkomplex, aber tatsächlich ist dieser Film noch mädchen-affiner als der erste Teil. Die Grusel-Elemente – aber auch die erdigen Nebenfiguren und die ironische Distanz des ersten Teils – sind zugunsten einer ausführlichen Schilderung von Bellas Herzschmerz zurückgenommen.

Und natürlich ihrer Mini-Affäre mit Jacob vom Stamm der Muckibuden-Indianer, dessen Oberkörper sein größtes schauspielerisches Kapital ist. Naja. Nett anzusehen, edel produziert und in angenehm geruhsamen Tempo ist das ganze immer noch, auch wenn die Inszenierung nicht an die flüssige Eleganz des ersten Teils heranreicht – und manchmal den Zuschauer regelrecht für dumm verkauft:

So gibt es eigentlich eine ganz schöne Szene in der die Kamera um Bella kreist, die traurig auf dem Stuhl vor dem Fenster sitzt – und jedesmal wenn wir wieder hinter ihr sind ist draussen eine andere Jahreszeit! Wow! Ein Bild das eigentlich alles aussagt – aber dann noch mit einem Off-Kommentar („Ich war so traurig“) und Einblendungen (!) „Oktober“ zugekleistert wird.

Kurz: Für mich als Jungen gibt’s da einfach einen Tick zu viel Gerede, zu wenig Action, Grusel und Humor. Am besten gefallen mir diesmal der schräge Showdown in Italien und eine Szene im Kino, die für Hollywood-Verhältnisse erstaunlich selbstkritisch ist.

WERTUNG: 3

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…und dann fing Google an, die gesammelten Daten zu verändern.

Kino: „Durst“

Bakjwi“ (Durst) von Chan-Wook Park ist nicht so einfach zusammenzufassen wie der letzte Film in diesem Blog. Kein Wunder, trug der Koreanische Regisseur die Idee zu diesem intelligenten Vampirfilm mindestens 10 Jahre mit sich herum.

I am a vampire, but that’s O.K. …

„Durst“ handelt vom jungen koreanischen Mönch Sang-Hyeon, der sich freiwillig für ein medizinisches Experiment meldet: Um ein Serum gegen ein Bösartiges Virus zu finden werden in Afrika nämlich noch Versuchspersonen gesucht. Doch bisher sind alle Versuche fehlgeschlagen – unser Held ist der erste, der nach einer Infizierung wirkungsvolle Antikörper entwickelt. Mit einem kleinen Nachteil: Er hat fortan Appetit auf Menschenblut.

Um seine christliche Nächstenliebe trotz des Vampirdaseins nicht aufgeben zu müssen stillt sich Sang ausschließlich an Komapatienten und später an Selbstmördern, welche seine „Dienste“ selbst als bizarre Hilfestellung empfinden. Das geht so lange gut, bis Sang sich verliebt – in ein verheiratetes Mädchen, das aber in seinem Haus wie eine Sklavin, oder eher wie ein Hund gehalten wird. Da geraten die Dinge ausser Kontrolle…

…oder auch nicht.

Wie gesagt, der Film ist schwer zu beschreiben: Er ist realistisch  und Traumhaft zugleich, überraschend in den Charakterentwicklungen und dennoch glaubwürdig,  Er nimmt sich viel Zeit seine Charaktere vorzustellen und seine Stimmung zwischen zu etablieren. Interessant ist dabei, wie die Sympathien des Zuschauers, die sich während der Exposition entwickeln, in der zweiten Hälfte auf die Probe gestellt werden, wenn die Figuren sich durch den Vampirismus zu verändern beginnen (oder auch nicht).

In der Art wie hier ein Idealist Unheil in die Welt bringt (oder auch nicht) erinnert er stellenweise an Lars von Trier, andere Passagen sind waschechtes Psychodrama, Kriminalstück oder Liebesgeschichte – und trotzdem fügt sich alles zu einem harmonischen ganzen. Dabei muss ich sagen, dass mir die sanften Teile besser gefallen haben als die blutigen: Wenn Story und Charaktere derart stimmig sind ziehen knackende Knochen imho etwas sehr die Aufmerksamkeit auf sich.

Trotzdem ein ganz feiner Film!

WERTUNG: 1

Kino: „Love Happens“

Hörspiel: „Novel City“

Eine dunkle Stadt, ein Femme Fatale, ein hargesottener Detektiv …

„Novel City“ ist – fast – ein klassiches Noir-Hörspiel in der Tradition von „Jonas“, wenn da nicht der kleine, aber feine Dreh wäre, dass der Held der Geschichte (großartig gesprochen von Alexander Nym) eigentlich total verpeilt ist: Ein Playboy, der von der Detektiverei gar keine Ahnung hat.

Allen Hörspielfans sei die sehr schöne und stimmungsvolle Produktion wärmstens ans Herz gelegt (und das natürlich nicht nur, weil ich selber in einer kleinen Rolle vorkomme ;-) . Mit Hund.)

Den kostenlosen Download gibt es hier

Viel Spaß beim Hören!

Kino: „Lippels Trauma“

Ist es ein schlechtes Zeichen, wenn in einem Kinderfilm siebzehn Erwachsene und nur drei Kinder sitzen? Keine Ahnung – aber wenn die Kinder sich fast die ganze Länge über ängstlich in ihren Sitz drücken kann das wohl nicht gut sein.

So gesehen in „Lippels Traum“ der Verfilmung eines Kinderbuches von Paul Maar. Darin wird der junge Lippel (Karl Alexander Seidel) für eine Woche der biestigen Haushälterin Frau Jakob (Anke Engelke) ausgesetzt, weil sein Vater (Moritz Bleibtreu) auf Geschäftsreise in den USA ist. Nicht genug damit, dass er nun zu Hause keine Ruhe mehr hat, auch in der Schule wird er ständig geärgert. In seiner Not flüchtet sich Lippel in eine Traumwelt, genauer in das Buch aus 1001 Nacht, dass er – nachdem es ihm die böse Haushälterin wegnimmt – im Schlaf weiterträumt und mit den Personen aus seiner realen Umgebung anfüllt.

Man wird dabei als Erwachsener das Gefühl nicht los, dass Regisseur Lars Büchel lieber einen Horrorfilm gedreht hätte: Ständig wird ein Gefühl der Bedrohung erzeugt, zu lachen gibt es nur genau zwei mal etwas (einmal als Lippel aus dem Bett fällt und einmal als jemand eine Torte ins Gesicht (!) bekommt). Was völlig fehlt sind Szenen der Freundschaft oder der Leichtigkeit.

Ausserdem nervt – zumindest im „realen Teil“ des Films, die absolute Aufteilung in gute und böse Personen. Anke Engelke ist überraschend gut als eiskalte Hexe – nur dass ihre Figur so eher in einen Stephen King Roman, als in einen Kinderfilm passt. Und auch ihr Abgang verschafft keine Katharsis, da er unverständlicherweise aus ihrer Sicht und sehr rauschhaft erzählt wird.

Kurz und knapp: Als Erwachsener kann ich sagen, dass mir der Film gar nicht gefallen hat. Als Kind hätte ich jetzt Lippels Trauma.

WERTUNG: 5

Kino: Am Ende kommen Touristinnen – „Antichrist“

Dieser Film beleidigt jeden Bewohner eines Sinn-Systems

-Georg Seeßlen über „Antichrist“

Ach Gott, der Trier!
(Verzeihung, von Trier – er hat sich ja während des Studiums selbst geadelt um seine links-liberalen Eltern zu ärgern)

Einerseits geht er mir tierisch auf die Nerven mit seiner penetranten Art, permanent die unangenehmsten Akkorde auf der Klaviatur des filmischen möglichen anzuschlagen, nur um dann grinsend ins Publikum zu blicken: „Seht ihr: So schlecht ist die Welt – und niemand leidet mehr darunter als der sensible ich.“

Andererseits ist er ein Meister der Form, der vor keinen Grenzen halt macht und sich nicht scheut dabei seine ureigensten Ängste ungefiltert auf die Leinwand zu bringen. Und das alles wohlgemerkt nicht im Arthouse-Kino versteckt, sondern mitten im Multiplex, zwischen Coco Chanel und Kaufhaus-Cop.

Was mich angeht, vertrag ich ja nur ca. 1 LvTrier Film im halben Jahr. Und seinem neuen Film „Antichrist“ läuft nun auch ein besonders heftiger Ruf voraus, nunja: besonders heftig zu sein. Andererseits -  das letzte mal war letzten Winter „Europa“ auf DVD – also ab in den Kinopalast!

Saturday Night at the movies – who cares what picture you see?

- The Drifters

Es beginnt mit einem edel gefilmten Schwarz/Weiß-Prolog: Ein Paar liebt sich, während ihr Kind zu Händel-Klängen aus dem Fenster in den Schnee stürzt. Währenddessen laufen immer noch Leute ins Kino. Popcorn raschelt. Handys klineln. Falsch besetzte Sitze werden getauscht. Ok! An diesem Abend bin ich in relativer Sicherheit: Was auch immer passieren wird – von Triers Leiden wird diesmal andere schlimmer treffen als mich… trotzdem…

Once a man, like the sea I raged, once a woman like the earth I gave…

-Genesis, Cinema Show

Nach dem Unfall ist die Frau emotional am Boden zerstört. Ihr Mann – ein Therapheut – antwortet ihr klassisch: Mit ruhigem Intellekt und mit der Versuchung sie zu ‘Heilen’. Dabei missachtet er nicht nur einen Grundsatz der Medizin – behandle nicht Deine Anghörigen – sondern auch einen der von-Trier-Filme: Wer helfen will richtet erst das schlimmste an.

Er zwingt sie zu einer Shocktheraphie: Da sie sich vor dem Wald fürchtet bringt er sie in eine Hütte im Wald (den Ort wirklich zahlloser Gruselfilme) und versucht sie mit ihren Ängsten zu konfrontieren. Soweit, so klar – und auch so erträglich. Doch dann wird es seltsam: Konstellationen aus unbekannten Gestirnen, biblisches Gebrabbel, Visionen toter Hexen, sprechende Tiere und am Ende viel Blut und Aua, bis schließlich Touristinnen kommen. Oder die Hexen/Opfer der katholischen Kirche. Oder halt einfach Frauen mit verschwommenen Gesichtern. Über den Sinn kann man nur spekulieren.  Nur eines ist sicher: Das Popcorn bleibt in der letzten halben Stunde jedenfalls ungegessen.

…but there is in fact more earth than sea.

Es heißt, Lars von Trier konnte seinen Darstellern selber nicht erklären, warum die Dinge im Film passieren, nur dass sie so passieren müssen. Immerhim listet der Abspann individuelle Berater, zur Religion, zur Psychotheraphie, zur Mystik, zum Horrorfilm und zur Geschichte der Frauenfeindlichkeit. Als Betrachter ohne persönliche Berater kann ich nur selber raten: Für mich scheint es hier um den Wahn der Männer zu gehen, Frauen von ihren Gefühlen ‘heilen’ zu können, durch ein System, dass nur eine eigene Form von Wahn kaschiert.

„Der Film befindet sich momentan im Stadium der Höhlenmalerei“

- Lars von Trier

Klar ist jedenfalls, dass LvT erneut ein formal brilliantes Werk abgeliefert hat. Er hat seine persönliche „Kreidezeit“ hinter sich gelassen und eine Mischform gefunden, in der die alte Perfektion der „Europa“-Trilogie mit der rohen Direktheit der Dogma-Ära zusammenkommt und bei der man – wenn man den Kopf etwas schräg neigt – auch die Kreidestriche erkennen kann, mit denen die Bewohner des Systems Dogville sich selbst eingesperrt hatten. Nur dass das System diesmal wahlweise Partnerschaft, Religion oder Wahnsinn heißen könnte.

Dass „Antichrist“ bei mir persönlich am Ende nicht so dick in der Kehle steckt wie „Dogville“ oder „Epidemic“ liegt vor allem am überblutigen Schluss, der doch zu sehr an klassische Horrorfilm-Effekte erinnert und – ja – wirklich ziemlich ekelig ist, aber eben eher an der Oberfläche. Aber vielleicht sollte ich mich nicht zu früh freuen. Trier Filme haben nämlich alle eine Angewohnheit: Einmal gesehen gehen sie nie mehr weg.

WERTUNG: 2

NPD: Ich will Pizza!

Bis vor kurzem dachte ich ja noch, dass diese beiden Herren

Für eine Handvoll Stimmen

das originellste Wahlplakat haben, doch dann sah ich gestern das hier am Straßenrand:

NPD-Verarsche "Ich will Pizza!"

Es klebt genau über dem (verdächtig ähnlich) aussehenden NPD-Plakaten, falls diese nicht ohnehin vom *hüstel* kräftigen Wind umgeworfen oder zerfetzt worden sind, der hier manchmal von links weht.

Wer immer das designt hat – Hut ab. Die leckerste Nazi-Verarschung seit Tuchos Bananen! Darauf gönn ich mir doch gleich ne Pizza!

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