Film „Bad o meh – Wind und Nebel“

Wie macht man einen Film über die traumatischen Folgen eines Krieges – in einem Land, in dem Kritik am Krieg verboten ist? Der iranische Regisseur Mohammad Ali Talebi versucht es mit einem Film aus Kinderperspektive mit märchenhaften und symbolischen Momenten.

„Mutter ist weg und jetzt gehst du auch“, weint die kleine Shouka (Masume Shakori) unter ihrer Decke, als der Vater sie im kleinen Bergdorf des Großvaters zurücklässt. „Nur in der Stadt kann ich etwas verdienen“, erwidert der Vater – und fügt hinzu: „Du musst jetzt an meine Stelle treten.“
Eine große Herausforderung für das Mädchen, vor allem, weil sie auch noch auf ihren kleinen Bruder Sahand (Payam Eris) aufpassen muss, der nie spricht und in der Schule deswegen gehänselt wird. Den Grund für Sahands extreme Zurückgezogenheit erfahren wir vorerst nicht. Erst als der Junge einer weißen Wildgans begegnet, die sich mit blutig geschossenem Flügel vor einem Jäger versteckt, brechen seine Erinnerungen auf: An die Zeit als er mit den Eltern bei den Öhlbohrfeldern in der Wüste lebte, an den Beginn des Krieges und an das was dort mit seiner geliebten Mutter geschah…


„Bad o meh – Wind und Nebel“ ist ein mutigerer Film als es zuerst den Anschein hat. Denn das Krieg vor allem Leid erzeugt, gilt in Deutschland als tragische Gewissheit. Im Iran dagegen wird der erste Golfkrieg von 1980 noch heute offiziell als „Heilige Verteidigung“ gefeiert. Kritik ist nicht geduldet. Es gibt nur „Märtyrer“ – keine Opfer.
So musste der erfahrene Regisseur  Mohammad Ali Talebi einen märchenhaften Erzählton und symbolische Bilder verwenden um seinen Blick auf die generationsübergreifenden Folgen des Krieges an der iranischen Zensur vorbeizuschmuggeln und im Land drehen zu können: „Es hat mich immer geärgert, dass es kaum Filme über die wahren Opfer des Krieges gibt“, sagt Talebi. „Jene Teile der Gesellschaft, die wenig Einfluss und keine Macht haben: Die Frauen und die Kinder.“ Auf der Berlinale lief der Film mit Erfolg in der „Generation“-Reihe für Erwachsene und Kinder. Im Iran wurde er bisher noch nicht gezeigt.

Film „Let me in“

Wir können keine Freunde sein“, warnt die 12-jährige Abby (Chloe Grace Moretz) den gleichaltrigen Owen (Kodi Smit-McPhee), als sie sich nachts auf dem verschneiten Spielplatz der Wohnsiedlung das erste mal begegnen. Aber langsam bahnt sich doch eine zarte Freundschaft der beiden Außenseiter an. Immerhin sind sie beide einsam: Der schmächtige Junge, der von allen gehänselt wird und das Mädchen, das sogar im Winter barfuß läuft und nur nachts herauskommt. Erst später lernt Owen, dass es einen ganz besonderen Grund gibt, warum Abby das Sonnenlicht meidet: Das Mädchen ist ein Vampir, der sich von Blut nähren muss um zu überleben…

Regisseur Matt Reves („Cloverfield“) überträgt den Roman „So finster die Nacht“ von John Ajvide Lindquist (der in Schweden bereits erfolgreich verfilmt wurde) behutsam und respektvoll ins verschneite New Mexico und in das aufgeheizte Klima der Reagan-Ära, als die Welt klar aufgeteilt war in Gut und Böse. Doch genau diese Grenzen verwischen immer mehr, je tiefer die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Abby und Owen wird.

Die Teenager Chloe Moretz und Kodi Smit-McPhee spielen ihre komplexen Figuren mit erstaunlicher Souveränität, während Charaktermimen wie Richard Jenkins oder Elias Koteas in Nebenrollen die Eindringlichkeit und Glaubwürdigkeit der Geschichte noch verstärken.

Obwohl ab und zu auch Blut fließt, setzt der Film nie auf billige Schock-Effekte, sondern zieht seine Kraft aus sorgfältig aufgebauter Spannung, einer prägnanten Klangkulisse und atmosphärisch-dichten Bildern, mit manchmal geradezu magischer Lichtstimmung. Das macht „Let me in“ auch für Menschen sehenswert, die sonst mit Grusel- oder Vampirfilmen wenig anfangen können.

WERTUNG: 2

 

 

Kino: „Atmen“

Der 19-jährige Roman (Thomas Schubert) ist ein stiller, in sich gekehrter Junge, der seine Zeit in einem Wiener Jugendknast absitzt. Seine Chancen auf vorzeitige Haftentlassung stehen schlecht. Auf Drängen seines Bewährungshelfers nimmt Roman einen Job an – allerdings einen, der sein Einzelgängertum noch verstärken könnte: Er wird Leichentransporter bei einem Bestattungsunternehmen. Doch hier lernt Roman eine neue Welt kennen. Eine Arbeit, die irgendwo zwischen Müllkutscher und heiliger Handlung liegt und die ihn schließlich sogar auf eine ganz persönliche Reise schickt: Auf die Suche nach seiner Mutter…

Atmen“ überrascht als geschmackvoll inszenierter und angenehm ruhiger Film voll kleiner Gesten und kurzer, pointierter Dialoge. Fernab aufgeblasener Hollywood-Gefühle oder deutschem Betroffenheitskino erweckt der Film das Gefühl, echten Menschen in ihrem Leben zuzusehen. Man merkt, dass in dieser Produktion viel Herzblut steckt!

Und tatsächlich erfüllte sich Schauspieler Karl Markovics („Die Fälscher“) mit seiner ersten Arbeit als Autor und Regisseur den lang gehegten Traum „eine Geschichte zu erfinden und sie zum Leben zu bringen“.

Monatelang recherchierte er bei Bestattern, Jugendstrafanstalten und Bewährungshelfern um das jeweilige Milieu glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen. Im Laienschauspieler Thomas Schubert fand er einen idealen Mittelpunkt für diese Geschichte.

Besonders gelungen ist auch die Kameraarbeit von Martin Gschlacht, der das breite Cinemascope-Format mit solch unaufdringlicher Meisterschaft handhabt, dass wir Zuschauer stets zwei Möglichkeiten haben: Distanziert ein schönes Bild zu betrachten oder mitten hineinzugehen in eine Geschichte, die gerade einfach so zu passieren scheint.

WERTUNG: 1

Film „Die Reise des Personalmanagers“

Jerusalem, 2002: Bei einem Attentat verliert eine junge Frau ihr Leben. Da sie keine Papiere dabei hat ist der einzige Hinweis auf ihre Identität ein Lohnzettel einer Großbäckerei. Deren Personalmanager (Mark Ivanir) macht sich daran, herauszufinden wer die Tote war und stellt fest, dass es sich um eine rumänische Gastarbeiterin namens Yulia handelt. Da sie in Israel keine Verwandten hat übernimmt er schließlich sogar die Verantwortung sie in ihre Heimat zu überführen – auch weil sich die Bäckerei von der ungewöhnlichen Aktion einen Image-Gewinn verspricht.

 

Begleitet von einem aufdringlichen Journalisten (Guri Alfi) und dem Sohn der Toten (Noah Silver) fährt er mit Yulias Sarg im klapprigen VW-Bus quer durch Rumänien – wohl wissend, dass er dadurch sein eigenes Familienglück zu Hause weiter gefährdet…

Die Reise des Personalmanagers“ von Eran Riklis („Die syrische Braut“) krankt etwas an der überlangen Exposition, die nur dazu dient den Manager endlich auf die titelgebende Reise zu schicken. Glücklicherweise entwickelt sich aber sobald der Film in Rumänien ankommt doch ein durchaus sehenswertes Road-Movie, das die skurile Familienreise von „Little Miss Sunshine“mit dem bürokratischen Alptraum von Kafkas „Schloss“ zu verbinden scheint und nebenbei glaubwürdige Einblicke ins rumänische „Niemandsland“ bietet. Ein Film für Geduldige der den Publikumspreis in Locarno gewann und Israels Kandidat als „Bester Ausländischer Film“ bei den nächsten Oscars ist.

WERTUNG: 3

Kino: Melancholia

Der Trier, der Trier, den lob ich mir.

Mag der ulkige Däne auf Pressekonferenzen noch so überfordert sein – im Regiestuhl ist er nach wie vor eine Macht. Bei kaum einem anderen Filmemacher hat man so stark das Gefühl, dass hier wirklich einer seine Seele direkt auf die Leinwand überträgt.

Und was da alles rumort! In „Melancholia“ geht es um nicht weniger als um einen neuen Planeten, der bisher hinter der Sonne versteckt (!) war und nun mit der Erde zu kollabieren droht. Doch erst mal verfolgen wir das  Hochzeitsfest von Justine (Kirsten Dunst), die sich alle Mühe gibt, die glückliche Braut zu mimen, während um sie herum die (soziale) Welt aus den Fugen gerät. Im zweiten Teil müssen sich die „Überlebenden“ der Hochzeit einer neuen Bedrohung stellen, als Melancholia immer näher kommt.

Der erste Teil wirkt (zumindest auf den ersten Blick) gar nicht so neu: „Das Fest“ lässt deutlich grüßen. Doch wie so oft gibt es bei Trier Falltüren die aus der (selbst schon altmodisch wirkenden) „Kritik an altmodischen, verkrusteten Gesellschaftsformen“ hinausführt – hinein in mythische Untiefen. Was, wenn Teil 1 und Teil 2 – das Fest und die Apokalypse, gar nicht zeitlich nacheinander kommen, sondern nur zwei Ansichten der selben Sache sind? Ist dieser Planet mit dem Namen eines Gefühls wirklich als solcher wahrzunehmen oder ist er Ausdruck einer Innerlichkeit, die bisher von der Sonne (dem Logos) zurückgehalten wurde? Sind da nicht deutliche Paralellen zur Gefühls/Logik-Thematik von „Antichrist“? Sind wir schon wieder mitten in einer neuen Trier Trilogie? Mögliche Titel: „Frauen und Männer“ oder „Sterne sind auch nur Menschen“?

Wie immer bei Trier ist es auch bei diesem Film nicht einfach – vielleicht sogar unmöglich – ihn eindeutig zu erklären. Stattdessen öffnet sich viel, viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen. Ziemlich eindeutig feststellen lässt sich aber, dass mir die Mischung aus Dogma-Handkamera und Ultra-Edel-Komponierten Bildern diesmal sehr gut gefallen hat und auch dass diesmal auf grobe Ekeleffekte verzichtet wird. Auch der Umgang mit den Perso nen scheint diesmal viel „netter“ als sonst – es menschelt auf angenehme Weise wie seit „Idioten“ nicht mehr. Aber lasst das mal nicht den Trier hören, sonst muss er aus Provokation wieder was extra-arrogantes Nachschieben.

Jedenfalls: Große Kunst!
Zu den Sternen!

WERTUNG: A

Kino: Twilight 4

Unsterbliche haben viel Zeit: Drei Filme lang warb der Vampir Edward (Robert Pattinson) um das Herz der jungen Bella (Kristen Stewart). Die zögerte lange, ob sie sich für den vornehmen Blutsauger entscheiden sollte oder für den weitaus leidenschaftlicheren Werwolf Jacob (Taylor Lautner). Nun läuten die Hochzeitsglocken und widerwillig führt Papa Charlie seine geliebte Tochter zum Altar.


Bella hat sich getraut. Mit Edward, natürlich. Alle Freunde und Verwandten sind da, dürfen noch mal winken und – mehr oder minder ernst gemeinte – Warnungen aussprechen. Dann geht’s ab in die Flitterwochen auf eine unberührte Südseeinsel. In diesem Paradies merken Bella und Edward aber bald, dass auch ihre unsterbliche Liebe ganz reale Probleme hat: Leidenschaft und Fürsorge müssen in Balance gebracht werden, denn die bisher platonisch Liebenden wollen sich auch erotisch finden – was bei der übermenschlichen Stärke von Vampiren gar nicht leicht ist. Schließlich wird das Vertrauen der zwei auf eine harte Probe gestellt, als eine neue Bedrohung für Bellas Leben auftaucht, gegen die alle bisherigen Attacken feindlicher Vampire geradezu harmlos wirken…

Auch in „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 1“ bemühen sich die Filmemacher redlich darum, möglichst nah an den Erfolgsromanen von Stephenie Meyer zu bleiben. Das funktioniert zumindest kommerziell gesehen ganz gut: „Twilight“-Fans schauen den Film sowieso und bekommen, was sie erwarten – alle anderen können ruhigen Gewissens zu Hause bleiben.

Doch selbst mit wohlwollendem Blick lässt sich feststellen, dass die neue Folge unter der Regie von Bill Condon nicht die stärkste der Serie ist. Das liegt zum einen daran, dass durch Bellas Hochzeit die Luft raus ist: Das Dreiecksverhältnis mit Jacob, das als starker Motor der Charaktere diente, ist vorbei und auch Bellas Beziehung mit Edward wird sachlicher: Die Zeit des Flirtens ist vorüber – nun muss das Paar sich bewähren.

Durch diese neuen Umstände gerät auch der stete Wechsel zwischen Romantik, Action, Humor und Grusel ins Stocken, der die Serie bisher so amüsant machte: „Breaking Dawn – Teil 1“ zerfällt in zwei klar getrennte Hälften: Erst das Hochzeitsglück, dann das Familien-Drama. Gut gelungen ist dagegen nach wie vor die stilvolle Inszenierung: Kostüme, Kulissen, malerische Landschaften und eine abwechslungsreiche Songauswahl tragen den Film über manche Länge.

Und vielleicht wird man diesen Streifen auch neu bewerten können, wenn die Reihe mit dem letzten Teil vollendet wird: Als langsame Hinführung zu einem dramatischen Finale. Doch bis dahin heißt es noch lange warten. „Breaking Dawn – Teil 2“ startet erst in einem Jahr. Aber was ist schon Zeit für Unsterbliche?

WERTUNG: 3

Neue Comics (Teil 4 – The Best)

Platz Nummer Eins:

The Sandman (Neil Gaiman u.a. 1988-1996)
Zugegeben: Zuerst hatte ich gar keinen Bock Sandman zu lesen – obwohl überall zu hören war, dass die Reihe einer der ganz, ganz großen Klassiker sei. Schuld daran waran die Zeichnungen!
Mit seinem hageren, bleichen Kerl mit der schwarzen Mähne sieht Morpheus / Sandman als Held der Geschichte nämlich aus wie exakt auf eine Zielgruppe von Teenie-Gothic-Mädchen zugeschnitten. Und ich bin keines von den dreien.
Aber die „Sandman“-Serie bewies mir (wieder mal) eindrucksvoll, dass man Comics nicht nach dem ersten Blick auf die Zeichnungen beurteilen kann, sondern sich erst mal auf den Flow der Story und die Charaktere einlassen sollte.

Und das rentiert sich beim Sandman tausendfach! Denn die insgesammt über 2000 Seiten lange Serie ist ein schier unendlicher Brunnen an Ideen und Geschichten. Dabei fängt alles scheinbar simpel an: Eine verrückte Sekte versucht Anfang des 20. Jahrhunderts den Tod gefangenzunehmen – gerät aber an dessen kleinen Bruder – Morpheus, den Herrn der Träume. Als es Morpheus nach beträchtlicher Zeit gelingt sich zu befreien muss er feststellen, dass sein Reich in der Zwischenzeit zerfallen ist: Wichtige Träume wurden vergessen, Alpträume rennen frei herum und manche Menschen träumen gar nicht mehr. Morpheus macht sich auf, das wieder zu ordnen…

Und dies ist gerade erst der erste (von 10 Bänden) von dem aus sich die Geschichte immer weiter spinnt: Im Zentrum stehen die ewigen – Morpheus und seine Geschwister wie Tod, Begierde u.a. – darum herum entwickeln sich mäandrierende Geschichten um menschliche (und übernatürliche Protagonisten) wobei man auf alle aufpassen sollte. Denn oft kommt es vor, dass eine scheinbar unwichtige Nebenperson aus der einen Story die Hauptrolle in der nächsten übernimmt. Sehr komplex. Sehr spannend. Dass unterschiedliche Zeichner ihre ganz eigenen Stärken einbringen macht die Serie noch vielfältiger und stärker.

Auch die Erzählweise wird immer tiefer und interessanter. Ist der erste Band noch deutlich an Stephen King und Alan Moore orientiert (zum Teil auch mit direkten Verweisen im Bild und Text) so wird das Sandman-Universum immer eigenständiger, die brutalen und gruseligen Elemente treten hinter einer großen Erzählung, ja einem Weltentwurf zurück.

Natürlich wird einem bei so einem Werk nicht jede Episode gefallen (mir sind z.b. manche frühen Dinge zu eklig, manches spätere zu bildungsbeflissen. Auch fand ich es schade, dass *SPOILER AHEAD* die Identität des verschwundenen ‘Ewigen’ recht früh und nebenbei aufgelöst wird – (Ich hätte auf auf sowas wie ‘Decision’ oder ‘Defiance’ getippt…. *SPOILEREND*).

Trotzdem: Ein ganz großer Wurf, den man nicht verpassen sollte!
Nach Band 6 hab ich jetzt erst mal aufgehört – aber nicht weils schlechter wird, sondern weil ich lieber noch mal von vorne durchstarte, bevor ich mir das Ende gönne.

Mehr Comics (Teil 3 – The Good)

TEIL III – The Good

Platz 4 – Catwoman – When in Rome (Jeph Loeb, Tim Sale, 2004)
Während der Ereignisse von ‘Dark Victory’ (siehe unten) nimmt Catwoman sich eine Auszeit um in Italien nach dem Geheimnis ihrer Herkunft zu forschen. Als Unterstützer nimmt sie sich ausgerechnet den Riddler mit – weil der sich ja mit Rätseln gut auskennt. Doch Träume von Batman jagen sie und bald befindet sie sich im Fadenkreuz der Mafia…

Das schmale Bändchen „Damals in Rom“ behandelt eine Nebengeschichte zu „Langes Halloween“ und „Dark Victory“, die aber auch gut für sich alleine gelesen werden kann. Der Stil ist – wie immer bei Loeb und Sale – sehr elegant. Auch wenn die Handlung nicht an die Stärke der beiden anderen Epen heranreicht bildet es ein schönes Divertimento.

WERTUNG: 2

Platz 3 – Genosse Superman (Mark Millar, Dave Johnson, Kilian Plunkett, 2003)

Was wäre wohl passiiert, wenn die Fluchtkapsel des Mannes aus Stahl nicht argrarischen Heartland der USA, sondern in einer Kolchose der Ukraine gelandet wäre? Die Elseworlds-Story „Superman Red Son“ spielt diesen Gedanken überraschend stringent durch: Superman – dessen altruistischer Charakter völlig erhalten bleibt – wird Stalins Ziehsohn und Erbe eines totalitären Sovietreichs, das Dank seiner Kräfte die Welt für sich einnimmt. Batman ist ein russischer Dissident mit Wollmütze und Lex Luthor als Superwissenschaftler auf der amerikanischen Gegenseite.


Aus der Idee hätte man auch sehr gut eine Comedy machen können, doch „Red Son“ punktet gerade mit seiner Ernsthaftigkeit und bleibt bis zum – sehr berührenden Schluss – sehr spannend.
WERTUNG: 1

Platz 2 – Batman: Dark Victory (Jeph Loeb, Tim Sale, 1999 – 2000)

Gerade erholt sich Gotham City von dem Jahr mit dem „Holiday Killer“ als ein neuer Serientäter auftaucht: Der ‘Hangman’ der es ausschließlich auf Polizisten abgesehen hat. Batman und Gordon machen sich auf die Suche nach dem Täter, der verschlüsselte Botschaften hinterlässt und bekommen es dabei auch wieder mit der Falcone-Familie und dem neuen Freak-Imperium von Two Face zu tun…

„Dark Victory“ schließt direkt an die Handlung von „Das lange Halloween“ an und es empfiehlt sich DRINGEND dieses Buch vorher zu lesen (und am besten „Jahr Eins“ noch dazu). Einmal weil die Geschichte sonst wenig Sinn ergibt und auch, weil bereits im ersten Bild etwas über den „Holiday Killer“ verraten wird. Dark Victory ist wie sein Vorgänger sehr schön gezeichnet und sehr komplex in der Handlung.
Kleine Spoiler ahead – Die Auflösung fällt zwar diesmal nicht ganz so stark aus, weil sie sehr eindeutig ist und viele Andeutungen (Warum werden die Falcone-Brüder verwechselt? Warum betont der eine so dringend, dass die anderen Brüder Zwillinge sind?) scheinen nur rote Heringe ohne Sinn zu sein. Cool ist es dennoch. SPOILER END.
WERTUNG 1


Fortsetzung folgt!

Mehr Comics! (Teil 2 – The Solala)

Teil II – The Mittelmäßig

Platz 7 – Mousegard, Herbst 1152 (David Petersen, 2006)
Das Königreich der Mäuse ist groß – doch zwischen den Städten liegt eine Wildnis voller Gefahren. Deshalb gibt es die Mäusegarde, welche das Reich vor Schlangen, Spinnen und anderem Unheil schützt – doch kann sie auch gegen Verrat in den eigenen Reihen bestehen?
Auch hier bin ich wieder auf das Cover reingefallen (und den Standort in der Kinder-Abteilung) – das auf eine lustig-süße Tierhelden-Geschichte schließen lässt. Doch „Mouseguard“ ist eine weitere bierernste Fantasy-Erzählung mit Krieg, Verrat, Tod – nur halt unter süßen Mäusen. Und das leider nocht nicht mal spannend, sondern sehr klischeehaft. Aber immerhin sieht’s wirklich enorm putzig aus.

WERTUNG: 4

Platz 6 – Batman: Arkham Asylum (Grant Morrison, Dave McKean, 1989)
Ein Notruf holt Batman ins Arkham Asylum: Die Irren haben die Anstalt übernommen (oder auch nicht). Der dunkle Ritter betritt das Gebäude und triumphiert über die versammelten Bösewichter (oder auch nicht). Am Ende wirft Twoface eine Münze und Batman darf wieder gehen (oder auch nicht). Hä?
O.k., ich weiß dieses Buch gilt als einer der ganz großen Batman-Klassiker. Aber ganz ehrlich: Ich hab’s nicht kapiert! Wieso kann man Batman hier mit Reis festhalten? Was sollen die Jesus-Anspielungen? Um was geht’s überhaupt?? Klar „Arkham Asylum“ hat großartige und scheußliche Momente und ist von Dave McKeown visuell brilliant gestaltet – aber es bleibt bei mir nichts außer Verwirrung. Vielleicht bin ich noch zu klein dafür.

WERTUNG: 3 (Oder auch nicht?)

Platz 5 – Black Orchid (Neil Gaiman, Dave McKean, 1988)
Viel darf man über die Geschichte von „Black Orchid“ nicht verraten, da sie einige Überraschungen bereit hält. Nur so viel: Es geht um eine Agentin mit besonderen Fähigkeiten, die Undercover in eine Gangsterorganisation eingeschleust wird um dort zum obersten Boss vorzudringen – doch das ist nicht so einfach.
Wieder superschön gestaltet von Dave McKean bietet Black Orchid auf fast jeder Seite einen kunstvollen Augenschmaus. Die Story ist wie erwähnt überraschend und wendungsreich, leidet aber IMHO darunter, dass sie nicht wirklich einen zentralen Charakter hat und am Ende ziemlich ausplätschert. Trotzdem einen Blick wert.

WERTUNG: 3

Fortsetzung folgt!

Mehr Comics!! (Teil 1 – The Aua)

Die Stadtbibliothek macht’s möglich: In der letzten Zeit habe ich mich dank des reichhaltigen Angebots durch eine schöne Auswahl an Comics gefressen. Manche davon großartig – andere eher nicht. Hier mal meine Eindrücke in aufsteigender Reihenfolge.
Teil I – THE BAD

Platz 10 – Batman: Jahr Einhundert (Paul Pope, 2006)

Gotham 2039 – die Zeiten sind düster geworden. Ein totalitäres System kontrolliert das Leben von der Wiege bis zur Bahre. Einzige Ausnahme: Der BATMAN – eine geheimnisvolle Gestalt, die anscheinend schon seit hundert Jahren ihre ganz eigenen Wege in Gotham geht und dem Polizeistaat Widerstand leistet…
Titel und Cover versprechen eine flotte Comedy-Story: Ein gaggelicher Rentner-Batman, dessen einstige High-Tech-Gadgets inzwischen hoffnungslos veraltet sind nimmt es mit Norcon (oder wie das totalitäre Dingens in diesem Fall heißt) auf… Aber leider ist „Jahr Einhundert“ bierernst – und der Batman gar nicht alt, sondern agil und gefährlich wie eh und jeh. Die Story besteht zur Hälfte aus Technik-Militär-Kauderwelsch („Er hat ein Kurzstrecken-EMP oder einen Neural-Beschatter mit induziertem giftigem Dunst!“ „Roger, Panther-Team! Sonarschutz-aktiv“) und zur anderen aus „Whak“ „Flump“ oder „Sptakkatak-Sptak-Ping!“. Wer drauf steht…

WERTUNG: 5

 Platz 9 – All Star Batman & Robin (Frank Miller & Jim Lee, 2005-2008)

Bei einer Zirkusvorführung werden die Eltern von Dick Grayson ermordet. Batman nimmt den  Jungen auf und unterzieht ihn einem harten Training – als einen weiteren Soldaten im Kampf gegen das Böse…
Und viel mehr passiert auch gar nicht auf über 150 Seiten. Der „All-Star-Batman“ verheddert sich in endlosen Action-Sequenzen und Nebenpersonen ohne jemals eine wirkliche Story oder eine Sinnmitte zu finden. Da hilft es auch nicht, dass die Zeichnungen von Jim Lee wieder mal top sind. Das Batman hier ein kichernder Irrer ist der Robin fies behandelt stört mich gar nicht (so what?). Aber das ständige Gefluche und Gekämpfe und die allgemeine Richtungslosigkeit lassen diesen Batman schon extrem pubertär wirken.

WERTUNG: 5

Platz 8 – The Fountain (Kent Williams, Darren Aronofsky, 2005)

Die Vergangenheit: Ein letzter spanischer Conquistador kämpft sich eine geheimnisvolle Maja-Pyramide hinauf an deren Spitze er die Lösung zu einem großen Geheimnis vermutet…
Die Gegenwart: Ein Arzt sucht verzweifelt nach einem Heilmittel um seine todkranke Frau zu retten und geht dabei jedes Risiko ein…
Die Zukunft: Ein nackter Mann schwebt in einer Blase durchs All und blickt zu den Sternen…
Der Film „The Fountain“ (den ich noch nicht gesehen habe) gilt als ambitionierter schöner Flop, der sich sehr bemüht irgendwas auszusagen, aber doch konfus bleibt (Solche Fehlschläge mag ich eigentlich ;-) ). Auch der Comic ist seeehr umständlich und aufgeblasen: Um die schlichte Botschaft ‘Der Tod gehört zum Leben’ unters Volk zu bringen muss man wirklich nicht auf drei Zeitebenen rumgurken (wie’s elegant geht zeigt ‘Sandman’). Zudem sind die Zeichnungen mit ihren Pfannkuchen-Gesichtern sehr HÄSSLICH und die Erzählung unbeholfen. So steht zum Beispiel über dem Bild einer hereinstürmenden Wache tatsächlich „Eine Wache stürmt herein.“ Was soll das? Wenigstens geht es schneller den Comic durchzublättern als den Film zu gucken.

WERTUNG: 5

Fortsetzung folgt.

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